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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Wor­um geht es bei Peirce?

1                  Erin­ne­rung an die ers­te Sit­zung (10.10. Vhs Neckar­ge­münd)

Zur Ein­stim­mung auf das Haupt­the­ma der Phi­lo­so­phie von Charles Peirce wur­de der fol­gen­de Text bespro­chen, ergän­zend zu mei­nen Erläu­te­run­gen ist der Text „Intel­lek­tu­el­le Auto­bio­gra­fie“ aus den Semio­ti­schen Schrif­ten I viel­leicht hilf­reich.

 

Mei­ne Her­ren und Damen!

Phi­lo­so­phie ist der Ver­such – denn wie das Wort selbst schon impli­ziert, ist sie unvoll­kom­men und muss es sein –, einen umfas­send auf­ge­klär­ten Begriff von Allem zu bil­den. Alle Men­schen phi­lo­so­phie­ren, und wie Aris­to­te­les sagt, müs­sen wir es tun, und sei es nur, um die Ver­geb­lich­keit der Phi­lo­so­phie zu bewei­sen. Wer sich um Phi­lo­so­phie nicht küm­mert, besitzt genau­so meta­phy­is­s­che Theo­ri­en wie alle ande­ren – nur sind es unge­schlach­te, fal­sche und weit­schwei­fi­ge Theo­ri­en. Man­che Men­schen bemü­hen sich, dem Ein­fluss meta­phy­si­scher Theo­ri­en zu ent­ge­hen, indem sie die Meta­phy­sik außer Acht las­sen. Die Erfah­rung zeigt aber, dass sich die­se Men­schen mehr noch als alle ande­ren im eiser­nen Griff meta­phy­si­scher Theo­ri­en befin­den, weil es eben Theo­ri­en sind, die sie noch nie­mals bezwei­felt haben. Kein Mensch steht so im Bann der Meta­phy­sik wie der völ­lig unge­bil­de­te, kein Mensch ist von ihrer Herr­schaft so sehr befreit wie der Meta­phy­si­ker selbst. Da sich also jeder Mensch von den Din­gen im All­ge­mei­nen Begrif­fe bil­den muss, ist es äußerst wich­tig, dass sie sorg­fäl­tig kon­stru­iert wer­den.“ (Semio­ti­sche Schrif­ten I [1866], 128)

 

Der geän­der­te Plan fand die Zustim­mung der Teil­neh­men­den. Er lau­tet:

 

  • 17.10. Peirce’ Haupt­the­ma: Umfas­sen­de Phi­lo­so­phie, die im ein­zel­nen Leben beginnt
  • 24.10. Die „prag­ma­ti­sche Maxi­me“
  • 31.10. Der Pri­mat der Ethik
  • 07.11. Semio­tik I
  • 24.11. Semio­tik II
  • 28.11. Wahr­neh­mung und Erfah­rung
  • 05.12. Prag­ma­tis­mus und Phä­no­me­no­lo­gie
  • 12.12. Reli­gi­ons­phi­lo­so­phie
  • 19.12. Abschluss­dis­kus­si­on

Zur Sit­zung am 17.10. sol­len die Teilnehmer/innen drei Vor­schlä­ge bei­tra­gen, die The­men für das nächs­te Semes­ter sein könn­ten.

2                  Das Haupt­the­ma von Peirce’ Phi­lo­so­phie: Umfas­sen­de Phi­lo­so­phie, die im ein­zel­nen Leben beginnt

Nach Peirce ver­sucht die Phi­lo­so­phie, „einen umfas­send auf­ge­klär­ten Begriff von Allem zu bil­den“. Dabei ist die Ver­wen­dung von „auf­ge­klärt“ über­zu­fäl­lig. Denn alle Men­schen phi­lo­so­phie­ren – und alle bil­den all­ge­mei­ne Kon­zep­te aus, z. B.: „der Mensch ist eine schwä­bi­sche Haus­frau“. Die­se all­ge­mei­ne, meta­phy­si­sche Unter­stel­lung lau­tet logisch aus­ge­drückt: Wenn etwas ein Mensch ist, dann ist er eine schwä­bi­sche Haus­frau. Wir haben uns das an The­men wie „Frei­heit“ und vor allem der „See­le“ klar gemacht. Peirce folgt in die­sen und ande­ren Fra­gen im Wesent­li­chen Aris­to­te­les, wel­cher den Erkennt­nis­drang und das Phi­lo­so­phie­ren-Wol­len bei allen Men­schen loka­li­siert. Daher gehen in die Arbeit „pro­fes­sio­nel­ler“ Philosoph/inn/en auch die Mei­nun­gen und Ansich­ten bzw. auch gele­gent­li­che Äuße­run­gen wie z. B. die­je­ni­ge Mei­nung ein, der Mensch sei eine schwä­bi­sche Haus­frau.

D. h.: Die Phi­lo­so­phie von Peirce ruht auf den vie­len all­ge­mei­nen Äuße­run­gen der Mit­men­schen auf, wel­che der pro­fes­sio­nel­le Phi­lo­soph „auf­klärt“, wie sich dann in der Fol­ge noch zei­gen wird: logisch-semio­tisch bear­bei­tet. Am Ende sol­cher Arbeit könn­te tat­säch­lich ein Begriff von Allem ste­hen. Die­ser „Begriff“ bezieht sich auf alle Aspek­te der Rea­li­tät, soll mit­hin, wie wir sehen wer­den; ein rela­tio­na­les Kon­zept sein. Natür­lich ist auch der „Beweis“ mög­lich, dass die Phi­lo­so­phie ver­geb­lich ist.

Neben der Arbeit der Wis­sen­schaf­ten wie Phy­sik, Bio­lo­gie und Psy­cho­lo­gie sind für pro­fes­sio­nel­le Philosoph/inn/en mit­hin die Äuße­run­gen „ein­fa­cher“ Men­schen auf­schluss­reich, die in ihrem prak­ti­schen Umgang mit der Rea­li­tät, zu der sie selbst gehö­ren, all­ge­mei­ne Begrif­fe aus­bil­den. Fügt man den Punkt hin­zu, dass sol­che Begrif­fe nicht rein beschau­lich-theo­re­tisch, son­dern hand­lungs­lei­tend sind, hat man in dem anfäng­lich zitier­ten Text aus den logi­schen Lowell-Lec­tures das voll ent­fal­te­te Syn­drom der Peirce’schen Phi­lo­so­phie vor Augen.

Alle Men­schen sind schwä­bi­sche Haus­frau­en“ bedeu­tet als Pra­xis­ma­xi­me in den letz­ten bei­den Jah­ren in der zwei­ten Pha­se der Finanz­kri­se: „Mer gäwet für die Grie­chen usf. nix!“ Peirce wie Aris­to­te­les zufol­ge las­sen sich sol­che Kon­zep­te in Pra­xis­ma­xi­men umfor­men, die dann hand­lungs­lei­tend sind und die Pra­xis ein­zel­ner Men­schen und Grup­pen bestim­men.

Das Haupt­prin­zip der Phi­lo­so­phie Peirce’ ist also recht über­sicht­lich. Viel­leicht hat Peirce weni­ger als Witt­gen­stein den Über­le­gen­heits­ges­tus des aka­de­mi­schen Phi­lo­so­phen auf­ge­ge­ben. Anders als jener ist er aber tat­säch­lich an allen Äuße­run­gen von Men­schen und Tie­ren inter­es­siert, ihm zufol­ge las­sen sich auch bei der genau­en Beob­ach­tung der Wahr­neh­mungs­leis­tun­gen von Tie­ren Lern­fort­schrit­te fest­stel­len. Das schau­en wir uns im Bereich der Semio­tik genau­er an.

« Die Phi­lo­so­phie von Charles Peirce – TUD »

Info:
Wor­um geht es bei Peirce? ist Beitrag Nr. 2203
Autor:
Martin Pöttner am 12. Oktober 2011 um 16:20
Category:
Mensch und Universum,Psyche,Was ist der Mensch?
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