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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD)">Schü­ler im Cha­ri­ty-Chi­que? (TUD)

Die Grund­la­ge des Semi­nars, dass Jesus die Armen selig geprie­sen, die Rei­chen aber ver­flucht hat, bil­det für eini­ge, wohl vie­le Teilnehmer/innen ein Rät­sel, mög­li­cher­wei­se auch einen Anstoß, den sie mit ihren eige­nen Lebens­ent­wür­fen nicht über­ein­brin­gen kön­nen. Auch in öffent­li­chen kirch­li­chen Äuße­run­gen wird die­ser Sach­ver­halt, wenn schon nicht ganz ver­schwie­gen, so doch nicht son­der­lich betont. Dies passt natür­lich auch zur eige­nen kirch­li­chen Pra­xis eher schwer. Übri­gens sehen die UNO-Men­schen­rechts­er­klä­rung und die UNO-Char­ta vie­le Sach­ver­hal­te ähn­lich wie etwa in der Berg­pre­digt aus­ge­drückt. Und auch das Grund­ge­setz der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land weist ähn­li­che Spu­ren auf.

Nimmt man das ernst, dass Jesus die Armen selig geprie­sen, die Rei­chen gleich­wohl ver­flucht hat, kann einen der Auf­zug der Schü­ler in Mt 10,1-15, wel­che zur Ver­kün­di­gung des kom­men­den Rei­ches Got­tes los­ge­schickt wer­den, schwer­lich ver­wun­dern. Es han­delt sich um kei­ne PR-Ver­an­stal­tung mit Cha­ri­ty-Chi­que. Statt­des­sen geht es um die Dar­stel­lung der gött­li­chen Ansicht über das Bestehen einer wider­gött­li­chen Wirk­lich­keit, wel­che sich u. a. im Reich­tum, aber nicht zuletzt auch in den Dämo­nen nie­der­schlägt. So wecken die Schü­ler auch Tote auf, trei­ben Dämo­nen aus und hei­len. Alles dies aber bes­ten­falls für den Unter­halt in jenen Orten. Sie trei­ben kei­ne Vor­sor­ge für den Fall, dass dies miss­lingt, allen­falls sehen sie dar­auf, ob ein bestimm­ter Ort es Wert ist, dass sie ihre Bot­schaft und ihr hei­len­des Han­deln anbie­ten und voll­zie­hen.

Der rela­ti­ve Gegen­satz zu Lk 8,1ff beweg­te die Sit­zung. Zunächst ist die­ser Text und das Spon­so­ring durch die höhe­ren Damen gerecht­fer­tigt, weil dann das Geld und der Besitz im Fluss bleibt, dass er sich an eini­gen Stel­len hor­tet oder dort gehor­tet wird, ist wider­gött­lich, wie wir noch genau sehen wer­den. Die­sen Punkt wohl recht gut ver­stan­den zu haben, muss man als gro­ße Leis­tung des Lk anse­hen. Natür­lich ist die Wahr­heit im NT nicht in der gesam­ten Kir­chen­ge­schich­te ein­fach ver­schwie­gen wor­den. Die Armuts­be­we­gun­gen des drei­zehn­ten Jahr­hun­derts d. Z. sind ein bere­de­tes Bei­spiel, aller­dings auch dafür, dass das eigent­li­che Pro­blem oft nicht erkannt wur­de. Eine Gesell­schaft, in wel­cher es bei­spiels­wei­se Ein­kom­mens­un­ter­schie­de gibt, ist aus der Sicht des frü­hen Chris­ten­tums akzep­ta­bel. Nicht akzep­ta­bel ist welt­weit das Bestehen abso­lu­ter Armut, die sich bei­spiels­wei­se im Hun­ger äußert. Inso­fern ist die radi­ka­le The­se, dass Jesus und sei­ne Schü­ler arm waren oder sich arm gemacht haben, so nicht halt­bar an den Tex­ten. Aber die heim­lich im Hin­ter­grund der offi­zi­el­len kirch­li­chen Argu­men­ta­ti­on ste­hen­de The­se, dass dann kirch­li­cher Reich­tum erlaubt sei, ist auf gar kei­nen Fall halt­bar. Weil Rei­che sind von Jesus ver­flucht. Die Gel­der müs­sen aus kirch­li­chen Schatz­kam­mern mit­hin öko­no­misch und sozi­al in Umlauf gebracht wer­den. Dar­in besteht die früh­christ­li­che Auf­fas­sung.

Gerd Thei­ßen hat mit Bezug auf Klei­dung und Habi­tus der Schü­ler in Mt 10,1-15 wohl mit Recht von „Selbst­stig­ma­ti­sie­rung“ gespro­chen. D. h., man soli­da­ri­siert sich mit den gesell­schaft­lich Aus­ge­schlos­se­nen, die ja selig geprie­sen wor­den sind.

Auf­ga­ben zum 11.01.

Lesen Sie Mk 3,31-35 und fra­gen Sie sich, was dies mit unse­rem The­ma zu tun hat!

http://www.theologie.tu-darmstadt.de/index.php?id=2439 (Link u. a. zum Brod­beck­text)

Bit­te lesen Sie die­sen Text als Hin­ter­grund für die fol­gen­den Sit­zun­gen bis zum 12.02!

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Info:
Schü­ler im Cha­ri­ty-Chi­que? (TUD) ist Beitrag Nr. 1988
Autor:
Martin Pöttner am 15. Dezember 2010 um 10:20
Category:
Religion und Mystik
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