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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Kritik der Zukunft (Vhs Neckargemünd)

… who is socie­ty? The­re is no such thing! The­re are indi­vi­du­al men and women and the­re are fami­lies and no government can do any­thing except through peop­le and peop­le look to them­sel­ves first. It is our duty to look after our­sel­ves and then also to help look after our neigh­bour and life is a recipro­cal busi­ness and peop­le have got the ent­it­le­ments too much in mind without the obli­ga­ti­ons …

http://www.margaretthatcher.org/document/106689

U. a. Sät­ze wie die­se von Mar­ga­ret That­cher bekämpft Karl-Heinz Brod­beck als Ideo­lo­gie. Er ver­schont aber nicht nur die Neo­kon­ser­va­ti­ven bzw. Neo­li­be­ra­len, son­dern eben­falls Karl Marx und die Marxist/inn/en nicht. Das letz­te Kapi­tel trägt die wesent­li­chen Punk­te des Buches noch ein­mal zusam­men, auch den­je­ni­gen, der bei der letz­ten Sit­zung teil­wei­se noch nicht ver­stan­den schien: Geld ist ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um, das eigent­lich mög­lichst im Fluss blei­ben müss­te. „Zins“ ist eine unsitt­li­che Selbst­re­fe­renz die­ses Pro­zes­ses:

καὶ ταύτης μὲν ἀναγκαίας καὶ ἐπαινουμένης, τῆς δὲ μεταβλητικῆς ψεγομένης δικαίως 1258b[1] ̔οὐ γὰρ κατὰ φύσιν ἀλλ‘ ἀπ‘ ἀλλήλων ἐστίν̓, εὐλογώτατα μισεῖται ἡ ὀβολοστατικὴ διὰ τὸ ἀπ‘ αὐτοῦ τοῦ νομίσματος εἶναι τὴν κτῆσιν καὶ οὐκ ἐφ‘ ὅπερ ἐπορίσθη. μεταβολῆς γὰρ ἐγένετο χάριν, [5] ὁ δὲ τόκος αὐτὸ ποιεῖ πλέον ̔ὅθεν καὶ τοὔνομα τοῦτ‘ εἴληφεν: ὅμοια γὰρ τὰ τικτόμενα τοῖς γεννῶσιν αὐτά ἐστιν, ὁ δὲ τόκος γίνεται νόμισμα ἐκ νομίσματοσ̓: ὥστε καὶ μάλιστα παρὰ φύσιν οὗτος τῶν χρηματισμῶν ἐστιν.

Da die Kunst des Kauf­manns und Haus­ver­wal­ters not­wen­dig und lobens­wert ist, die­je­ni­ge des Tausch­künst­lers aber mit Recht geta­delt wird – denn sie hat es nicht mit der Natur zu tun, son­dern mit Sach­ver­hal­ten der Men­schen unter­ein­an­der –, so ist erst recht der Wucher has­sens­wert. Denn er zieht den Erwerb aus dem Geld selbst und nicht aus dem­je­ni­gen, wofür das Geld steht. Denn das Geld ist um des Tau­sches wil­len erfun­den wor­den. Durch den Zins ver­mehrt es sich aber durch sich selbst. Daher auch sei­ne Bezeich­nung: das Gebo­re­ne ist glei­cher Art wie das Gebä­ren­de. Und durch den Zins ent­steht Geld aus Geld. Die­se Art des Geld­erwerbs ist mit­hin am meis­ten gegen die Natur.

Gigon, Poli­tik. Über­set­zung an den grie­chi­schen Text ange­passt. Lei­der ist die­ser bei Wiki­pe­dia nicht rich­tig mit Akzen­ten usf. ver­se­hen. Aber der grie­chi­sche Text stimmt soweit, sieht man vom Schlus­sig­ma ab.

Die Geld­gier ver­hin­dert dies Brod­beck zufol­ge, wes­halb mit­tels der Geld­rech­nung und des so dra­pier­ten Geld­sub­jekts die gesam­te Wirk­lich­keit buch­hal­te­risch bestimmt wird. Die z. T. fata­len Kri­sen sind bekannt. Das Kapi­tel ist mit „Kri­tik der Zukunft“ über­schrie­ben, eine Ellip­se. Aus­ge­las­sen ist: Ori­en­tie­rung an der … Eine sol­che Ori­en­tie­rung an der Zukunft wird häu­fig gefor­dert oder ver­hei­ßen, weil dann so man­ches bes­ser als in der Gegen­wart sei. Zeit­phi­lo­so­phisch ori­en­tiert sich Brod­beck ganz zu recht an der erleb­ten Gegen­wart, die nicht zuguns­ten unsi­che­rer Zukünf­te bzw. logisch-semio­tisch auf­grund blo­ßer Hypo­the­sen oder Abduk­tio­nen geop­fert wer­den dür­fe.

Kri­tisch scheint mir anzu­mer­ken zu sein, dass er zu vie­le Tota­li­ta­ris­men sieht – bzw. zu wenig dif­fe­ren­ziert. Etwa das St. Gal­ler-Manage­ment-Modell wird gar nicht erst erwähnt, obgleich es besteht.

Trotz allem kann man da wie­der her­aus kom­men, aller­dings müs­sen es welt­weit vie­le tun. Erleich­tert wird das dadurch, weil das Geld eben semio­tisch, ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um ist.

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Info:
Kritik der Zukunft (Vhs Neckargemünd) ist Beitrag Nr. 1993
Autor:
Martin Pöttner am 15. Dezember 2010 um 20:11
Category:
Homo oeconomicus,Wirtschaft und Philosophie
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