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NT III (TUD) – die Selig­prei­sung der „Armen“ (pto­choi)">Armut und Reich­tum im NT III (TUD) – die Selig­prei­sung der „Armen“ (pto­choi)

(Kir­chen­fens­ter in Trit­ten­heim an der Mosel, St. Cle­mens)

In Mt 5,3 wer­den die „Armen im Geis­te“ (pto­choi en pneu­ma­ti) nicht direkt ange­spro­chen, wäh­rend die Selig­prei­sung in Lk 6,20 eine direk­te Anre­de an die „Armen“ dar­stellt. Lk 6,24 bie­tet eine par­al­le­le Ver­flu­chung bzw. einen rea­lis­ti­schen Wehe­ruf für die Rei­chen. Die­se hät­ten ihren „Trost“ (para­kle­sis) schon. Bei Mt scheint das „Glück“ im Wesent­li­chen zukünf­tig im Escha­ton des „Reichs der Him­mel“ zu sein, wäh­rend den Rei­chen (plou­sioi) die ewi­ge Ver­damm­nis zuge­dacht erscheint.

Bei Mt 5,3 wer­den gele­gent­lich soge­nann­te „spi­ri­tua­li­sie­ren­de“ Inter­pre­ta­tio­nen vor­ge­schla­gen, so etwa, es han­de­le sich um beson­ders demü­ti­ge From­me. Obwohl exege­tisch hier­für gera­de im Kon­text der „Berg­pre­digt“ nichts spricht, gibt es immer wie­der sol­che Ver­su­che, weil gera­de für den durch­schnitt­li­chen kirch­li­chen Kon­text in unse­rer Welt­ge­gend es uner­hört klin­gen mag, dass hier die „Armen“ im sozia­len Sinn mit der unbe­ding­ten Got­tes­nä­he zusam­men­ge­bracht wer­den. Es gibt für die Bestim­mung „im Geist“ m. E. am ehes­ten zwei nach­voll­zieh­ba­re Inter­pre­ta­tio­nen:

  • im Sin­ne der jüdi­schen Armuts­fröm­mig­keit, die Armen sind die­je­ni­gen, denen sich der Geist Got­tes zuwen­det;
  • Schott­roff ver­tritt viel­leicht mit Recht, dass man über­set­zen muss: Sie sind so arm, dass ihnen auch noch das Gott­ver­trau­en geraubt sei; soll hei­ßen: Sie sind arm an Geist.

Die luka­ni­sche Par­al­le­le hat nun ganz ein­fach „Arme“, sodass die Dis­kus­si­on dar­über, ob nicht alle irgend­wie „arm“ sei­en und hier in der „glück­li­chen“ Rol­le sei­en, für die Jesus­tra­di­ti­on ent­schie­den ist. Die soge­nann­te „spi­ri­tua­li­sie­ren­de“ Inter­pre­ta­ti­on ist im Übri­gen schwer­lich ernst­haft reli­gi­ös, weil sie nicht wahr­nimmt, dass hier das Pro­blem der tat­säch­lich Armen im Lich­te Got­tes und der Schöp­fung gedeu­tet wird.

Die Här­te die­ser Bot­schaft ist natür­lich für das ten­den­zi­ell eher Mit­tel­schicht­chris­ten­tum in der Bun­des­re­pu­blik uner­hört. Natür­lich gin­gen des­halb auch die Argu­men­te gele­gent­lich nicht immer mit gro­ßer Prä­zi­si­on vor. Die Hartz-IV-Bezie­her/in­nen ver­hun­gern hier­zu­lan­de nicht, weil sie als Men­schen aner­kannt sind, mit­hin das Men­schen­recht auf ein Exis­tenz­mi­ni­mum haben, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am 09.02.2010 noch ein­mal klar­ge­stellt hat.

Das scheint unnö­tig zu sein, wenn man glaubt, Armut beru­he im Wesent­li­chen auf nicht aus­rei­chen­der Arbeit und dem­zu­fol­ge auf Faul­heit. Wir haben mit Sprü­che 6 einen Text zur Kennt­nis genom­men, der die­se Sicht begüns­tigt. Dies ist aber kei­nes­wegs die Sicht­wei­se der Jesus­tra­di­ti­on. Wir müs­sen im Semi­nar gedul­dig ver­ste­hen ler­nen, war­um das so ist. M. E. las­sen die Quel­len dies zu.

M. E. soll­te am 21.12. tat­säch­lich Lk 2,1-20 The­ma sein. Dafür wür­de ich dann Mk 3,31-35 ger­ne nach Weih­nach­ten behan­deln.

Ich habe mit Herrn PD Dr. Gro­ße Kracht die Leis­tungs­er­war­tun­gen bespro­chen. Dabei stan­den die Stu­die­ren­den im Vor­der­grund, die den Stu­di­en­gang Bache­lor Päd­ago­gik bele­gen. Sie kön­nen mit mir ver­ein­ba­ren, wie Sie Ihre „akti­ve Mit­ar­beit“ doku­men­tie­ren wol­len. Sofern Sie Unklar­hei­ten emp­fin­den, die Sie mit mir nicht klä­ren kön­nen, schrei­ben Sie Herrn Gro­ße Kracht eine E-Mail: grossekracht@theol.tu-darmstadt.de. Er beant­wor­tet die­se ger­ne mög­lichst umge­hend.

Wei­ter wäre zu erwä­gen, ob es unter den Teilnehmer/innen ein Inter­es­se gibt, das The­ma im nächs­ten Semes­ter zu ver­tie­fen.

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

Lesen Sie bit­te sorg­fäl­tig 1Kor 11,17-34!

Wor­um geht es im Text?

Hat dies mög­li­cher­wei­se etwas mit unse­rem The­ma zu tun?

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Info:
Armut und Reich­tum im NT III (TUD) – die Selig­prei­sung der „Armen“ (pto­choi) ist Beitrag Nr. 1908
Autor:
Martin Pöttner am 10. November 2010 um 19:51
Category:
Allgemein,Religion und Mystik,Wie wollen wir leben?,Wirtschaft und Philosophie
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