Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


„Logik der Ver­ge­sell­schaf­tung“ in: Brod­beck, Herr­schaft des Gel­des (Vhs Neckar­ge­münd)">Logik der Ver­ge­sell­schaf­tung“ in: Brod­beck, Herr­schaft des Gel­des (Vhs Neckar­ge­münd)

Zu den Grund­la­gen vgl. Sie ggf. noch­mals den Text zur zwei­ten Sit­zung.

Das Pro­gramm von Brod­becks Buch besteht dar­in, die sub­stan­zon­to­lo­gi­sche, auf star­re Iden­ti­tä­ten ein­zel­ner Men­schen oder Grup­pen bezo­ge­ne gesell­schaft­lich eta­blier­te Betrach­tungs- und Ver­ge­sell­schaf­tungs­wei­se auf rela­tio­na­le Bedeu­tun­gen umzu­stel­len. Das hat­te schon Peirce als Kern einer nach­me­cha­nis­ti­schen Phi­lo­so­phie aus­ge­macht – und Brod­beck voll­zieht dies nun. Nichts ist iso­liert, son­dern zumin­dest gesell­schaft­lich auf Ande­re und ande­res bezo­gen („Ich“-„Du“-„Es“). Den Bedeu­tungs­pro­zess fasst man am bes­ten mit Peirce so:

Damit lässt sich auch beschwer­de­frei das bei Brod­beck teil­wei­se dun­kel blei­ben­de Pos­tu­lat ein­lö­sen, dass gesell­schaft­li­che Pro­zes­se stets bedeu­tungs­hal­ti­ge Pro­zes­se sind. Man sieht das viel­leicht am leich­tes­ten an Brod­becks Rela­tio­nen­auf­fas­sung, sofern man die­se auf Peirce zurück­führt:

Der Satz „Ich gehe nach drau­ßen“ impli­ziert die Rela­ti­on „Gehen“ als bestim­men­des Prä­di­kat (nicht „Verb“ wie bei Brod­beck). Die­ses hat offe­ne Stel­len „Gehende/r); „Wohin“ bzw. Ort. Und in die­se offe­nen Stel­len wer­den sprach­lich dann Rela­ta der Rela­ti­on ein­ge­setzt, sodass die Prio­ri­tät der Rela­ti­on als semio­tisch erzeug­te rea­le Mög­lich­keit vor den Rela­ta sprach­lich (und Peirce zufol­ge auch in allen ande­ren Zei­chen­sys­te­men) besteht. Besteht in Zei­chen­sys­te­men eine sol­che Rela­ti­on, dann kann sie in der Pra­xis durch Hand­lun­gen Situa­ti­ons­ty­pen aus­bil­den, was bei „Gehen“ tat­säch­lich der Fall ist. Dies gilt auch für die Rela­ti­on „Akti­en kaufen/verkaufen“; es gibt als Rela­ta Aktienkaufende/verkaufende – ein teil­wei­se sehr bestän­di­ger Situa­ti­ons­typ, an der dann kon­kret auch Disi teil­neh­men kann.

Sieht man das ein, ist auch klar, dass „Kate­go­ri­en Rela­tio­nen“ sind (vgl. Brod­beck 2009, 35), aller­dings sind Peirce zufol­ge nur die all­ge­meins­ten Rela­tio­nen die Kate­go­ri­en im enge­ren Sinn. Aber Brod­beck besteht dar­auf, dass auch schon rela­tiv all­ge­mei­ne Rela­tio­nen Kate­go­ri­en sei­en. Die­se sind in unse­rer All­tags­pra­xis, in unse­ren Hand­lun­gen prä­sent, aber auch oft undurch­schaut in unse­rer Wis­sen­schafts­pra­xis. Dass die Öko­no­mie an einer indi­vi­du­el­len Sub­stan­zen­theo­rie als Hin­ter­grund ihrer Men­schen­auf­fas­sung weit­ge­hend fest­hält, macht ihre z. T. „töd­li­chen“ Fol­gen aus. Dage­gen kön­nen Brod­beck zufol­ge „gute“ Theo­ri­en nur teil­neh­mend und in mit­lei­den­der Hal­tung ent­wi­ckelt wer­den.

Die­se (qua­li­fi­zier­te) rela­tio­na­le Auf­fas­sung muss man ver­stan­den haben, wenn man Brod­becks Kri­tik an den domi­nan­ten Wirt­schafts­theo­ri­en ver­ste­hen möch­te. Ihm zufol­ge haben bloß Proud­hon und der frü­he Marx eine ähn­li­che Auf­fas­sung ver­tre­ten.

Kate­go­ri­en sind „Gewohn­hei­ten“, die stets selbst­kon­trol­liert über­prüft wer­den müs­sen. Brod­beck zufol­ge geht dies zunächst dadurch, dass sie über­haupt als „Gewohn­hei­ten“ bewusst wer­den. Dies ist die Vor­aus­set­zung dafür, sie krea­tiv ver­än­dern zu kön­nen. Damit unter­stellt Brod­beck eine star­ke Frei­heits­auf­fas­sung, die von den mecha­nis­ti­schen Theo­ri­en wie im Neo­li­be­ra­lis­mus und auch im Mar­xis­mus nicht reprä­sen­tiert sind – mit bei­der­seits auto­ri­tä­ren bis tota­li­tä­ren Fol­gen.

« Erin­ne­rung an die ers­te Sit­zung „Armut und Reich­tum“ (TUD), 19.10. – Phi­lo­so­phie und Quan­ten­me­cha­nik II »

Info:
Logik der Ver­ge­sell­schaf­tung“ in: Brod­beck, Herr­schaft des Gel­des (Vhs Neckar­ge­münd) ist Beitrag Nr. 1879
Autor:
Martin Pöttner am 21. Oktober 2010 um 15:56
Category:
Allgemein
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

Keine Kommentare »

No comments yet.

Kommentar-RSS: RSS feed for comments on this post.

Leave a comment