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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Idee des Kur­ses „Wirt­schaft und Ethik“ sei­tens des Dozen­ten

Der Kurs behan­delt die in der Lite­ra­tur und der Öffent­lich­keit sehr umstrit­te­ne Fra­ge, ob

  • wirt­schaft­li­ches Han­deln mora­lisch sen­si­bel vor­ge­hen muss –
  • oder ein­fach nur voll­zo­gen wer­den muss.

Dass die­se Alter­na­ti­ve über­haupt so dis­ku­tiert wird, setzt vor­aus, dass

(1)  es wähl­ba­re Mög­lich­kei­ten gibt, die unter­schied­lich bewer­tet wer­den kön­nen – bzw.

(2)  dass Letz­te­res nicht der Fall ist, mit­hin mensch­li­ches Han­deln im wirt­schaft­li­chen Bereich voll­stän­dig deter­mi­niert ist.

Wir haben im letz­ten Kurs zur Gen­pro­ble­ma­tik ken­nen­ge­lernt, dass die dar­wi­nis­tisch argu­men­tie­ren­de Bio­lo­gie stark von bestimm­ten wirt­schafts­theo­re­ti­schen Annah­men des Typs (2) gelei­tet ist. Tat­säch­lich aber gibt es gute Grün­de dafür, dass bio­ti­sche Pro­zes­se auch im Bereich der Mole­ku­lar­bio­lo­gie nicht gut auf die­se Wei­se ver­stan­den wer­den kön­nen, so Bau­er und Hoff­mey­er. Soll­ten für bio­ti­sche Pro­zes­se Zei­chen­pro­zes­se grund­le­gend sein, wie ins­be­son­de­re Hoff­mey­er dar­legt, dann ist das Moment der Inter­pre­ta­ti­on nicht aus­schließ­bar, mit­hin auch das Moment des Nicht­ver­ste­hens bzw. des Anders­ver­ste­hens.

Im Hin­ter­grund die­ses Pro­blems steht, dass in vie­len Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten lei­der der Unter­richt nicht hin­rei­chend mög­li­che Alter­na­ti­ven deut­lich macht. Die kom­ple­xen Wirk­lich­keits­mo­del­le bei­spiels­wei­se der deut­schen Früh­ro­man­tik, Johann Wolf­gang von Goe­thes und des Ame­ri­ka­ni­schen Tran­szen­den­ta­lis­mus, auch des ame­ri­ka­ni­schen Prag­ma­tis­mus wer­den fak­tisch aus­ge­klam­mert. Dass die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten in vie­len Berei­chen mit dem Wirt­schafts­ge­sche­hen nicht über­ein­stim­men, dürf­te den meis­ten Men­schen mit der „Finanz­kri­se“ deut­lich gewor­den sein – aller­dings haben die Prophet/inn/en der Welt­sicht, wel­che die Finanz­kri­se her­vor­ge­bracht hat, weder ihre Lehr­stüh­le noch die Insti­tuts­lei­tun­gen abge­ben müs­sen, sodass wir sowohl im Wis­sen­schafts­sys­tem als auch in den Mas­sen­me­di­en nach einem Schock­mo­ment wie­der mit den glei­chen feh­ler­haf­ten Ansich­ten kon­fron­tiert wer­den, es gibt nur weni­ge Außen­sei­ter wie Brod­beck 2009, wel­che die Rol­le des Kin­des ein­neh­men, das sagt, der Kai­ser sei nackt. Doch die meis­ten Wissenschaftler/innen und auch die aller­meis­ten Bürger/innen kön­nen bzw. wol­len dies nicht sehen. Es war die „Gier“ eini­ger Banker/innen, wel­che mit „gro­ßer Lip­pe“ (Ange­la Mer­kel) das an sich wun­der­bar funk­tio­nie­ren­de Sys­tem fast zum Ein­sturz gebracht habe und den Staat erpres­se.

Wir soll­ten im Kurs zu ver­ste­hen ver­su­chen, wie schwie­rig es ist, die Posi­ti­on (1) von wähl­ba­ren Alter­na­ti­ven zu ver­tre­ten. Die Posi­ti­on (2) scheint in der Arbeits­ge­sell­schaft fak­tisch unhin­ter­geh­bar, die Marxist/inn/en sind nicht weni­ger deter­mi­nis­tisch als die Neo­li­be­ra­len, aber auch als die Alt­li­be­ra­len, deren Wirt­schafts­theo­rie Marx im Wesent­li­chen als zutref­fend ansah. Die Wei­chen sind jedoch schon im letz­ten Vier­tel des 19. Jahr­hun­derts gestellt wor­den, inso­fern zutref­fend erkannt wur­de, dass die libe­ra­len und mar­xis­ti­schen Annah­men unter­kom­plex waren, weil sie ihre Rech­nun­gen ohne die Umwelt des Wirt­schafts­sys­tems gemacht hat­ten. Dies wur­de von Marxist/inn/en und Libe­ra­len – und wird auch heu­te noch – tap­fer über­tönt, ist aber ähn­lich über­zeu­gend und von Tief­sinn geprägt wie die The­se von der „Gier“ der Banker/innen. Sofern aber wirt­schaft­li­ches Han­deln die Mög­lich­kei­ten ent­hält, die eige­ne Lebens­grund­la­ge und die ande­rer natür­li­cher Gat­tun­gen zu zer­stö­ren, ist die mora­li­sche oder sitt­li­che Fra­ge unab­weis­bar. Die mar­xis­ti­schen und libe­ra­len Ver­tre­ter von Posi­ti­on (2) ver­su­chen die Fra­ge nach der Ein­sei­tig­keit „wirt­schaft­li­cher“ Ratio­na­li­tät bzw. von deren Gestalt­bar­keit mög­lichst wenig zu the­ma­ti­sie­ren. Statt­des­sen kom­mu­ni­zie­ren sie offen­siv mög­lichst „objek­ti­ve Fak­to­ren“ sozia­ler und/oder gene­ti­scher Art, war­um es nicht anders geht, es also kei­ne Alter­na­ti­ven gibt. Doch es gibt sie, sagt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, weil im Grund­ge­setz eine ande­re Welt­sicht ver­tre­ten wird, die sogar juris­tisch rele­vant ist.

Defi­ni­tio­nen

  • Der Aus­druck „Ethik“ bezieht sich auf die phi­lo­so­phi­sche Refle­xi­on unter­schied­li­cher sitt­li­cher bzw. mora­li­scher Hand­lungs­wei­se bzw. deren Regeln.
  • Die Aus­drü­cke „Moral“ bzw. „Sit­te“ bezie­hen sich auf kon­kre­te Hand­lungs­wei­sen bzw. deren Regeln.

« Tex­te zur ers­ten Sit­zung Vhs Neckar­ge­münd – Kurs­be­ginn: 19.30 im Prinz Carl, Neckar­ge­münd »

Info:
Idee des Kur­ses „Wirt­schaft und Ethik“ sei­tens des Dozen­ten ist Beitrag Nr. 1651
Autor:
Martin Pöttner am 7. März 2010 um 11:57
Category:
Bildung,Homo oeconomicus,Mensch und Universum,Was ist der Mensch?,Wie wollen wir leben?,Wirtschaft und Philosophie
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