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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Erin­ne­rung an den 30.11. — Vhs Neckar­ge­münd

Die Sit­zung befass­te sich zum gro­ßen Teil mit Pro­ble­men der letz­ten Sit­zung, weil jetzt kla­rer gewor­den war, dass es meh­re­re mög­li­che Betrach­tungs­wei­sen bio­ti­scher Pro­zes­se gibt. Schon Bau­er, stär­ker aber Hoff­mey­er unter­stel­len, dass der ein­zel­ne Pro­zess nur im Kon­text der gesam­ten Pro­zes­se im Orga­nis­mus ver­stan­den wer­den kann, wes­halb Hoff­mey­er eine semio­ti­sche Ver­net­zung der ein­zel­nen Pro­zes­se unter­stellt.

Dabei stößt man auf Unend­lich­keits­pro­ble­me und Unschär­fen, es wird deut­li­cher, dass auch wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis stets nur vor­läu­fi­gen Wert hat – mit­hin also in Zukunft ver­bes­sert, wider­legt und gege­be­nen­falls nur leicht modi­fi­ziert bestä­tigt wird. Dem­ge­gen­über sug­ge­rie­ren Ver­tre­ter wie Daw­kins, dass wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis einen wesent­li­chen Schlüs­sel fin­den müs­se, mit dem man das gesam­te Schloss auf­schlie­ßen kön­ne, ihm zu Fol­ge geht dies mit der Meta­pher des „ego­is­ti­schen Gens“. Soll­ten die neue­ren For­schun­gen im Recht sein, ist die­se meta­pho­ri­sche Dra­pie­rung des Orga­nis­mus hin­fäl­lig. Wenn das Genom den Pro­zess der Onto­ge­ne­se nicht deter­mi­nie­ren kann, hängt die gan­ze Kon­struk­ti­on des „ego­is­ti­schen Gens“ in der Luft.

Aber falls es unver­meid­lich Unend­lich­keits­pro­ble­me und Unschär­fen gibt, war­um soll man dann über­haupt das Phä­no­men des Gan­zen the­ma­ti­sie­ren – und sich nicht auf die Erkennt­nis von Ein­zel­sach­ver­hal­ten beschrän­ken? Weil das Ein­zel­ne nur im Gesamt­zu­sam­men­hang ange­mes­sen erkannt wer­den kann. Jede Erkennt­nis ist dann aber zumin­dest mit einem hypo­the­tisch-abduk­ti­ven Rest ver­bun­den, sodass gera­de die Hand­lun­gen, die auf einer sol­chen Erkennt­nis beru­hen, stets revi­dier­bar sein müs­sen. Das gilt nicht nur für den Bereich der Medi­zin, son­dern auch für die Berei­che der Poli­tik und der Wirt­schaft. U. a. aus die­sem Grund ist die Demo­kra­tie prin­zi­pi­ell ande­ren Staats­for­men über­le­gen, wird aber stets zu unter­mi­nie­ren ver­sucht.

Dadurch wird nicht auf ein­mal alles bes­ser, wohl aber ist seit dem 16. Jahr­hun­dert doch eini­ges bes­ser gewor­den. Die Demo­kra­tie erzwingt nicht sitt­li­ches oder ver­nünf­ti­ges Han­deln, wohl aber ist sie in der Lage durch Rechts­set­zung sank­ti­ons­be­wehr­te Erwar­tungs­si­cher­heit in bestimm­ten Berei­chen her­zu­stel­len. Daher wur­de seit eini­gen Jah­ren an bestimm­ten Aspek­ten des Grund­ge­set­zes gear­bei­tet, um die­se zu ver­än­dern – zumeist hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der­ar­ti­ge Geset­ze als zumin­dest teil­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig erklärt. Die moder­ne Demo­kra­tie funk­tio­niert also nicht ohne das­je­ni­ge Recht, wel­ches seit der euro­päi­schen und nord­ame­ri­ka­ni­schen Auf­klä­rung Gestalt annimmt. Gera­de die Finanz­kri­se hat mus­ter­haft gezeigt, dass das Grund­ge­setz mit den Arti­keln 14 und 15 auch schwie­ri­gen Situa­tio­nen gewach­sen ist.

Wer also hohe sitt­li­che Ansprü­che hat, muss sich in der Demo­kra­tie selbst dafür ein­set­zen, dass die­se auch wirk­sam wer­den.

Das Pro­blem der prä­dik­ti­ven Medi­zin besteht bei mul­ti­fak­to­ri­el­len Krank­hei­ten wie Dia­be­tes mel­li­tus in der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung. Soll­te ein Mensch zwei Eltern mit die­ser Krank­heit besit­zen, beträgt die sta­tis­ti­sche Wahr­schein­lich­keit 50 %, dass er die­se auch bekommt. Und sie beträgt 50 %, dass er sie nicht bekommt. Was tun? Hier ver­bin­det sich das kon­kre­te Pro­blem mit dem zuvor erör­ter­ten Pro­blem. Wie geht man eigent­lich mit höchst unschar­fen Ein­sich­ten um? Da Wahr­schein­lich­kei­ten nichts über den tat­säch­li­chen Ver­lauf beim ein­zel­nen Men­schen aus­sa­gen, ist hier höchs­te Zurück­hal­tung gebo­ten – so wie es auch der Bun­des­tag beschlos­sen hat.

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Erin­ne­rung an den 30.11. — Vhs Neckar­ge­münd ist Beitrag Nr. 1529
Autor:
Martin Pöttner am 4. Dezember 2009 um 12:54
Category:
Alltag,Biologie,Genom,Homo oeconomicus,Mensch und Universum,Politik,Was ist der Mensch?,Wirtschaft und Philosophie,Zeichen und Philosophie
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