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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Der Ansatz von Tho­mas Fuchs

Auf­grund von Erfah­run­gen in Ver­an­stal­tun­gen über den phi­lo­so­phi­schen Ver­such von Tho­mas Fuchs, zu denen Reak­tio­nen von Leser/innen der bis­he­ri­gen Bei­trä­ge hier im Blog kom­men, möch­te ich eini­ge grund­sätz­li­che Bemer­kun­gen machen. Für mich selbst sind Fuchs’ leib­phä­no­me­no­lo­gi­sche Erwä­gun­gen anre­gend. Ich selbst bin kein phä­no­me­no­lo­gi­scher Phi­lo­soph, aber die Zei­ten von Schul­p­hi­lo­so­phi­en dürf­ten längst vor­bei sein. Was Phänomenolog/inn/en und Pragmatist/inn/en ver­bin­det, ist die Ein­sicht, dass eine phi­lo­so­phi­sche Anschau­ung nur dann für uns rele­vant sein kann, wenn sie unser all­täg­li­ches Erle­ben und Han­deln auf­zu­neh­men ver­mag. Die Phänomenolog/inn/en nei­gen gele­gent­lich zu sehr weit gespann­ten Anschau­un­gen, wie der auch von Tho­mas Fuchs posi­tiv rezi­pier­te Her­mann Schmitz:

Mir genügt nicht die iso­lie­ren­de Durch­mus­te­rung des eigen­leib­lich spür­ba­ren Gegen­stands­ge­biets; ich bin viel­mehr bestrebt, des­sen zen­tra­le Bedeu­tung im Mensch­sein und in der Lebens­er­fah­rung nach allen Sei­ten aus­zu­leuch­ten …

Was ich zu sagen habe, kann nur zur Gel­tung kom­men, wenn zähe, jahr­tau­sen­de­al­te Dog­men der klas­si­schen Erkennt­nis­theo­rie und Anthro­po­lo­gie mit den zuge­hö­ri­gen Schein­pro­ble­men aus­ge­rot­tet wer­den.“[1]

Schmitz zufol­ge wur­de die Bedeu­tung jenes „eigen­leib­li­chen Spü­rens“ und des­sen Gegen­stands­ge­biet seit gut 2.400 Jah­ren durch eine „Intel­lek­tual­kul­tur“ ver­deckt[2], die sich u. a. in Natur­wis­sen­schaft, Psy­cho­lo­gie, phy­si­scher Tech­nik und Sozi­al­tech­no­lo­gie nie­der­ge­schla­gen habe. Wer das etwas anders sieht – und dies ist bei mir der Fall – kann den­noch sehr inter­es­siert die leib­phä­no­me­no­lo­gi­schen Meta­phern zur Kennt­nis neh­men und sich von ihnen anre­gen las­sen. Vie­le Phänomenolog/inn/en sind der Über­zeu­gung, dass ihre phi­lo­so­phi­schen Über­zeu­gun­gen in mehr oder weni­ger schar­fen „Begrif­fen“ aus­ge­drückt wer­den. Das ist für Außenbeobachter/innen nicht sehr über­zeu­gend, aber auch für durch­aus von der phä­no­me­no­lo­gi­schen Phi­lo­so­phie stark beein­druck­te „Insi­der“ nicht[3]. Auch Fuchs’ stark durch Raum­me­ta­phern gepräg­te Spra­che erregt in Phi­lo­so­phie­kur­sen gele­gent­lich Erstau­nen und durch­aus auch Unver­ständ­nis.

Leib­lich­keit ist die grund­le­gen­de Wei­se des mensch­li­chen Erle­bens – inso­fern der Leib nicht als Kör­per­ding, son­dern als Zen­trum räum­li­chen Exis­tie­rens auf­ge­fasst wird, von dem gerich­te­te Fel­der von Wahr­neh­mung, Bewe­gung, Ver­hal­ten und Bezie­hung zur Mit­welt aus­ge­hen. Leib­lich­keit in die­sem umfas­sen­den Sinn tran­szen­diert den Leib und bezeich­net dann das in ihm ver­an­ker­te Ver­hält­nis von Per­son und Welt, bis hin zu ihren sozia­len und öko­lo­gi­schen Bezie­hun­gen.“[4]

Wer als Physiker/in das Wort „Fel­der“ jetzt in einem phy­si­ka­li­schen Kode rekon­stru­iert, bekommt mög­li­cher­wei­se beacht­li­che Rezep­ti­ons­pro­ble­me. Den­noch wird man selbst erle­ben kön­nen, dass Schmitz und Fuchs mit sol­chen Meta­phern auf etwas Rea­les Bezug neh­men, wel­ches wir „leib­lich“ spü­ren kön­nen. Für Fuchs sind jeden­falls räum­li­che Meta­phern, um unse­re Exis­tenz in der Welt zu beschrei­ben, grund­le­gend.

Josef Forster, ohne Titel, wohl nach 1916
Abb. 1 Josef Fors­ter, ohne Titel, wohl nach 1916

Wer­fen wir zum Schluss noch ein­mal einen Blick auf das Bild von Josef Fors­ter. Der Mann steht nicht auf sei­nen Füßen, sein Gesicht ist mas­kiert; er hat den Kon­takt zur Erde und zu ande­ren ver­lo­ren. Er geht auf Stel­zen, mit denen er ‚Gewicht‘ zu gewin­nen ver­sucht, was wir als eine kon­kre­tis­ti­sche Rede­wei­se anse­hen und so über­set­zen kön­nen: Er sucht den emp­fun­de­nen Ver­lust von Selbst­sein und Selbst­wert aus­zu­glei­chen. Wir kön­nen anneh­men, dass das Bild einem Kampf ums see­li­sche Über­le­ben in der Ver­lo­ren­heit einer Anstalt, in der Ein­sam­keit des psy­chi­schen Anders­seins abge­run­gen ist. Und doch schwingt auch ein Moment von Freu­de und Stolz in die­sem Bild mit, wenn es heißt, mit Hil­fe sei­ner Stel­zen kön­ne die­ser Mann ‚mit gro­ßer Geschwin­dig­keit durch die Luft gehen‘. So mag der schi­zo­phre­ne Künst­ler bei allem Lei­den in sei­nen eigen­welt­li­chen Bild­schöp­fun­gen auch eine Art von Freu­de gefun­den haben, die wir nur von fer­ne zu erah­nen ver­mö­gen.“ [5]

Josef Fors­ter drückt durch sein Bild also Fuchs zufol­ge eine räum­li­che Exis­ten­zwei­se aus. Für den Ansatz Fuchs’ ist aus­schlag­ge­bend, dass er sol­che ästhe­tisch-phä­no­me­no­lo­gi­schen Betrach­tun­gen durch­aus auf recht gut bestä­tig­te natur­wis­sen­schaft­li­che Hypo­the­sen bezieht – wie eben auf die heu­te modisch recht prä­sen­ten „Spie­gel­neu­ro­nen“[6], die sowohl bei unse­ren eige­nen moto­ri­schen Aktio­nen als auch bei der Beob­ach­tung der glei­chen Aktio­nen bei ande­ren akti­viert wer­den. So hat die phä­no­me­no­lo­gi­sche phi­lo­so­phi­sche Betrach­tungs­wei­se hier eine natur­wis­sen­schaft­li­che Part­ne­rin bei der Behaup­tung, wir ver­stün­den Ähn­li­ches bei Ande­ren, inso­fern die Akti­vie­rung der eige­nen Spie­gel­neu­ro­ne eben jenes „eigen­leib­li­che Spü­ren“ im moto­ri­schen Kon­text ver­ständ­lich machen kann. Das gilt auch für die Inter­pre­ta­ti­on des Bil­des von Fors­ter. Wir dürf­ten in der Regel die dar­ge­stell­te und ange­deu­te­te Bewe­gung der Figur auf dem Bild ima­gi­nie­ren. Das Bild­ver­ste­hen setzt eine Fähig­keit zur Fik­ti­on vor­aus – und die­se Fähig­keit wird nicht zuletzt durch jene Spie­gel­neu­ro­nen ermög­licht.

Dies ist ein Bei­spiel dafür, dass Fuchs zwar sehr kri­tisch gegen­über natur­wis­sen­schaft­li­chen Ver­ge­gen­ständ­li­chun­gen und Über­ver­ein­fa­chun­gen ist und nicht ohne Grund und genaue Kennt­nis vor den ent­spre­chen­den tech­no­lo­gi­schen Fol­gen u. a. im Kon­text der soge­nann­ten „Lebens­wis­sen­schaf­ten“ warnt[7]. Ein Aus­stei­ger aus der natur­wis­sen­schaft­li­chen Welt­be­schrei­bung ist er aber nicht. Sehr ver­knappt aus­ge­drückt: Fuchs sucht nach der Anschluss­fä­hig­keit der phä­no­me­no­lo­gisch beschrie­be­nen Lei­ber­fah­rung in den Natur­wis­sen­schaf­ten. Und hier spielt natür­lich auch die Neu­ro­bio­lo­gie eine gro­ße Rol­le. Den umge­kehr­ten Weg geht er nicht: Er lässt kei­nes­wegs nur das als real gel­ten, was sei­tens der Natur­wis­sen­schaf­ten und ins­be­son­de­re der Neu­ro­bio­lo­gie als bestä­tigt gel­ten kann. Das Erle­ben und Han­deln im All­tag ist für ihn kei­nes­wegs sekun­där und erweist sich nicht in dem Moment schon als blo­ßer Schein, wo es in Wider­spruch zu irgend­wel­chen Hypo­the­sen zu tre­ten scheint.

René Descartes

William Harvey

Ein wei­te­rer Punkt scheint mir beson­ders inter­es­sant an Fuchs zu sein. In sei­ner medi­zin­ge­schicht­li­chen Dis­ser­ta­ti­on hat er sich mit dem Ver­hält­nis von Wil­liam Har­vey (1587-1657) und René Des­car­tes (1596-1650)   befasst. Es han­delt sich jeden­falls auch um eine kul­tur­wis­sen­schaft­li­che Dis­ser­ta­ti­on, in der er nach­zu­wei­sen ver­sucht, dass die mecha­nis­ti­sche Inter­pre­ta­ti­on des Kreis­lau­fes nicht auf Har­vey selbst, son­dern auf Des­car­tes zurück­ge­he. Die klar iden­ti­fi­zier­ba­re Ten­denz der Rezep­ti­ons­ge­schich­te als einer wesent­li­chen mecha­nis­ti­schen Inter­pre­ten des Kör­pers sei auf die Domi­nanz Des­car­tes’ zurück­zu­füh­ren, Har­veys Tex­te selbst sei­en aber anders zu inter­pre­tie­ren. Har­vey ist für die moder­ne Medi­zin bekannt­lich wegen sei­ner „Ent­de­ckung“ des Kreis­laufs grund­le­gend. Fuchs’ zufol­ge steht Har­vey in der Tra­di­ti­on der aris­to­te­li­schen Lebens­kraft­auf­fas­sung, wel­che mit der kar­te­sia­ni­schen mecha­nis­ti­schen Auf­fas­sung des Kör­pers nicht ver­ein­bar sei. Für die moder­ne Phy­sio­lo­gie, auf der auch die soge­nann­te „Schul­me­di­zin“ beruht, gibt es kei­ne Lebens­kraft mehr. Die „Ent­de­ckung“ der Hor­mo­ne und Neu­ro­trans­mit­ter scheint ihr den letz­ten Todes­stoß ver­setzt zu haben.[8] Im aka­de­mi­schen Kon­text ist frei­lich die Psy­cho­so­ma­ti­sche Medi­zin des Typs von Uex­küll prä­sent, wo die Lebens­kraft fak­tisch als Bezie­hung ver­stan­den wird.[9] Für Fuchs stellt der jewei­li­ge Orga­nis­mus im Kon­text sei­ner Umwelt selbst als Gan­zer eine Bezie­hung dar:

Das Lebe­we­sen tritt … nicht erst in eine Bezie­hung zur Welt ein, so als ob es auch ‚zuvor‘ und unab­hän­gig von ihr exis­tie­ren könn­te: In gewis­sem Sinn ist es selbst die­se Bezie­hung, inso­fern es durch sei­ne Struk­tur sei­ne spe­zi­fi­sche Umwelt erst erzeugt und indem sei­ne Gren­zen fort­wäh­rend zwi­schen ihm und der Umwelt ver­mit­teln.“[10]

Phi­lo­so­phisch ist m. E. an die­sem Ansatz inter­es­sant, dass das über Selbst­be­zie­hung und Fremd­be­zie­hung ver­mit­tel­te Lebens­kraft­kon­zept eine Ver­tei­di­gung der Final­ur­sa­che des Aris­to­te­les dar­stellt, des­sen Lebens­kraft­kon­zept u. a. auf die­ser Ursa­che beruht. Medi­zi­nisch  wird fak­tisch die­se Final­ur­sa­che akzep­tiert, weil der Pla­ce­bo­ef­fekt (wie der Noce­bo­ef­fekt) im Kern nicht bestrit­ten wird – und bei­spiels­wei­se den soge­nann­ten Dop­pelb­lind­stu­di­en der evi­dence based medi­ci­ne zugrun­de liegt. Der Pla­ce­bo­ef­fekt ist zwei­fel­los ein Fall der Final­ur­sa­che.

Im krea­ti­ven Anschluss an Lud­wik Fleck[11] ver­sucht Fuchs zu ver­tei­di­gen, dass sich in den Wis­sen­schaf­ten kei­ne Ablö­sung von „Para­dig­men“[12] erge­be, son­dern eine Koprä­senz unter­schied­li­cher Denk­sti­le, wobei es natür­lich zu star­ken Domi­n­an­zen kom­men kann. Man sieht das leicht an der Vor­herr­schaft von Auf­fas­sun­gen der klas­si­schen Phy­sik in der heu­ti­gen Gehirn­for­schung, schon die The­ma­ti­sie­rung von quan­ten­phy­si­ka­li­schen Ansät­zen[13] wird als ver­fehlt ange­se­hen.[14] Dabei ent­spricht die rela­tio­na­le Struk­tur der Quan­ten­phy­sik viel eher unse­rem auf Bezie­hun­gen aus­ge­leg­ten all­täg­li­chen Erle­ben und Han­deln, das gera­de nicht auf lan­ge Sicht erfolg­reich iso­lier­te Ein­zel­be­trach­tun­gen voll­zie­hen kann. Wie auch immer die­se Debat­ten beur­teilt wer­den, für Fuchs erscheint es klar, dass All­tags­er­fah­rung und (natur)wissenschaftliche Betrach­tungs­wei­sen nicht gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den dür­fen (vgl. Abbil­dung 2). S. E. kön­nen die (anschei­nend oder schein­bar) „objek­ti­ven“ Betrach­tungs­wei­sen der Natur­wis­sen­schaf­ten aus­schließ­lich den „Kör­per“ bei­spiels­wei­se mess­bar erfas­sen. Aber der Leib schließt das „sub­jek­ti­ve Erle­ben ein, die­ses ist aus der Kör­per­per­spek­ti­ve nicht redu­zier­bar. Hier­in stimmt Fuchs mit einer Rei­he von Philosoph/inn/en über­ein, wel­che die Per­spek­ti­ve der ers­ten Per­son Sin­gu­lar nicht in eine der drit­ten Per­son Sin­gu­lar über­führ­bar hal­ten.[15] Die­se „Leib“-vs.-„Körper“-Unterscheidung ist für Fuchs’ phi­lo­so­phisch reflek­tier­te Denk­be­mü­hung grund­le­gend. Die Qua­li­tät des eige­nen Erle­bens ist nicht auf ande­res als es selbst redu­zier­bar. Wich­tig erscheint mir, dass Fuchs den soge­nann­ten „sub­jek­ti­ven“ Aspek­ten eine inte­gra­le Funk­ti­on zuschreibt, wir sind ganz dabei! Es kommt hier­bei nicht bloß auf bewuss­te Steue­rungs­pro­zes­se an, sodass sich im Bewusst­sein ein Zen­trum bil­de­te, auch wenn die­ses auf den gesam­ten Leib aus­ge­dehnt ist. Eben­so kann die teil­wei­se recht schlich­te Auf­fas­sung man­cher Gehirnforscher/inn/en nicht rich­tig sein, das Gehirn „modu­liert“ Fuchs zufol­ge (bloß) phy­sio­lo­gi­sche Pro­zes­se. Und wer möch­te das schon selbst ger­ne tun?[16]

Fuchs 1

Abb. 2: Quel­le der Gra­fik: Fuchs (s. Anm. 6), 106.

Die „per­so­na­lis­ti­sche“ und die „natu­ra­lis­ti­sche“ Ein­stel­lung sind nicht auf­ein­an­der redu­zier­bar, wir müs­sen offen­bar mit bei­dem leben. Fuchs ver­sucht also eine Art fai­ren Aus­gleichs zwei­er nicht auf­ein­an­der redu­zier­ba­rer Per­spek­ti­ven zu leis­ten. Das ist ein durch­aus attrak­ti­ver Ansatz, weil die ver­schie­de­nen Kör­per-Geist-Model­le oder psy­cho­phy­sio­lo­gi­schen Anschau­un­gen dann jeweils auf bestimm­te Aspek­te Bezug neh­men. Aber sie neh­men nur auf Aspek­te eines gan­zen leib­li­chen Wesens Bezug, dem auch der Psych­ia­ter per­so­na­lis­tisch, lebens­welt­lich und/oder objek­ti­vie­rend, natu­ra­lis­tisch begeg­nen kann.[17] Hier­zu ist im nächs­ten Bei­trag zu Fuchs der Begriff der „zir­ku­lä­ren Kau­sa­li­tät“ zu klä­ren.


[1] Her­mann Schmitz, Phä­no­me­no­lo­gie der Leib­lich­keit, in: ders., Leib und Gefühl. Mate­ria­li­en zu einer phi­lo­so­phi­schen The­ra­peu­tik, Edi­ti­on Siri­us, Bie­le­feld 32008, 373-413, 374.

[2] Schmitz (s. Anm. 1), 10.

[3] Vgl. Paul Ricœur, Die leben­di­ge Meta­pher, 1986 (Über­gän­ge 12).

[4] Tho­mas Fuchs, Leib, Raum, Per­son. Ent­wurf einer phä­no­me­no­lo­gi­schen Anthro­po­lo­gie, Stutt­gart 2000, 15.

[5] So die ein­drucks­vol­le Inter­pre­ta­ti­on des Bil­des von Josef Fors­ter, Ohne Titel, datiert nach 1916 aus der Prinz­horn-Samm­lung: Das Bild als Spie­gel. Phä­no­me­no­lo­gi­sche Über­le­gun­gen zu Kunst und Psych­ia­trie, in: Tho­mas Fuchs, Leib und Lebens­welt. Neue phi­lo­so­phisch-psych­ia­tri­sche Essays, Zug/Schweiz 2008, 197-220, 210f.

[6] Tho­mas Fuchs, Das Gehirn – ein Bezie­hungs­or­gan. Eine phä­no­me­no­lo­gi­sche-öko­lo­gi­sche Kon­zep­ti­on, Stutt­gart, 195-202. Bei Fuchs ist dies deut­lich reflek­tier­ter als bei Joa­chim Bau­er, War­um ich füh­le, was Du fühlst, Ham­burg 112005. Inter­es­sant ist, dass in die­sen Kon­tex­ten gar nicht mehr das eigent­li­che Pro­blem des Ver­ste­hens the­ma­ti­siert wird: Es besteht im Ver­ste­hen von Frem­den.

[7] Vgl. Lebens­wis­sen­schaf­ten und Lebens­welt, in: Fuchs (s. Anm. 5), 283-305.

[8] Anders aber etwa die Homöo­pa­thie und auch die Osteo­pa­thie, bei­des noch kei­nes­wegs unter­ge­gan­ge­ne medi­zi­ni­sche Kon­zep­tio­nen. Dabei stellt die Osteo­pa­thie eine Kom­bi­na­ti­on von mecha­nis­ti­scher und vita­lis­ti­scher Inter­pre­ta­ti­on der Kör­per­pro­zes­se dar, wäh­rend jeden­falls die Posi­ti­on Hah­ne­manns nur dann ver­ständ­lich ist, wenn man sei­ne Hoch­po­ten­zen­theo­rie so ver­steht, dass durch die hohen Ver­dün­nun­gen im Kon­text der Schüt­te­lun­gen sich das Medi­ka­ment der unend­lich fei­nen Gestalt der Lebens­kraft annä­he­re. Bei den Osteo­pa­then soll die mecha­ni­sche Kor­rek­tur von Fehl­stel­lun­gen der Kno­chen und Weich­teil­ge­we­be dazu füh­ren, dass die Lebens­kraft die Hei­lung selbst erbrin­ge.

[9] Thu­re von Uex­küll u. a. (Hgg.), Psy­cho­so­ma­ti­sche Medi­zin, 6Mün­chen u. a. 2008, 3ff.43ff.

[10] Fuchs (s. Anm. 6), 116. Zu einer Skiz­ze der Posi­ti­on von Fuchs’ Gehirn­buch vgl. Micha­el Paw­lik in der FAZ vom 27.08. Paw­lik betont mit recht den aris­to­te­li­schen Hin­ter­grund von Fuchs’ Ansatz.

[11] Ent­ste­hung und Ent­wick­lung einer wis­sen­schaft­li­chen Tat­sa­che. Ein­füh­rung in die Leh­re vom Denk­stil und Denk­kol­lek­tiv, 1980 (stw 312).

[12] Tho­mas S. Kuhn, Die Struk­tur wis­sen­schaft­li­cher Revo­lu­tio­nen, 1973 (stw 25).

[13] Vgl. Thomas/Brigitte Gör­nitz, Der krea­ti­ve Kos­mos, Heidelberg/Berlin 2002.

[14] Vgl.: „Unser Gehirn ist ein­zig und allein an den funk­tio­na­len Kri­te­ri­en gemes­sen wor­den, den Orga­nis­mus, der es trägt, so lan­ge am Leben zu erhal­ten, bis die­ser sich repro­du­zie­ren kann, so zumin­dest die klas­si­sche Auf­fas­sung. Unse­re kogni­ti­ven Funk­tio­nen sind des­halb an eine makro­sko­pi­sche Welt ange­passt, und nicht an die Welt, in der die Quan­ten­me­cha­nik rele­vant ist, oder an die Welt kos­mi­scher Dimen­sio­nen. Bedeut­sam ist für uns die Welt, die im Zen­ti­me­ter- bis Meter­raum sich ereig­net, und vor­nehms­te Auf­ga­be unse­res kogni­ti­ven Sys­tems ist es, Regel­haf­tig­kei­ten die­ser Welt zu begrei­fen. Daher rüh­ren denn auch die Schwie­rig­kei­ten, die wir mit den Beschrei­bun­gen von Bedin­gun­gen haben, die uns von der Astro- und Quan­ten­phy­sik gelie­fert wur­den. Pro­zes­se im Bereich von Nano­me­tern und Licht­jah­ren sind zwar bere­chen­bar, aber sie ver­weh­ren sich der Anschau­lich­keit und wider­spre­chen nicht sel­ten unse­ren Pri­märer­fah­run­gen.“ (W. Sin­ger, Vom Gehirn zum Bewusst­sein, Frankfurt/M. 2006, 12f)

[15] Der FAZ-Leser Prof. Dr. Heinz Georg Schus­ter hält dem­ge­gen­über zu der Rezen­si­on von Paw­lik (s. Anm. 10)  fest: „Es geht aber doch dar­um zu ver­ste­hen, wie unse­re Gehir­ne all die­se Infor­ma­tio­nen ver­ar­bei­ten und wel­che Ein­schrän­kun­gen oder Mög­lich­kei­ten sie dabei haben. Da hilft Aris­to­te­les nicht wei­ter, da müs­sen neu­ro­lo­gi­sche Mes­sun­gen und Theo­ri­en her.“ Der Phy­sik­pro­fes­sor scheint nicht davon über­zeugt zu sein, dass die sub­jek­ti­ven Tat­sa­chen des Erle­bens exis­tie­ren. Vgl. dazu Schmitz (s. Anm. 1).

[16] Vgl. hier­zu Bei­trag zu Fuchs‘ Kri­tik an bestimm­ten neu­ro­kon­struk­ti­vis­ti­schen Posi­tio­nen.

[17] Vgl. Fuchs (s. Anm. 6), 257ff. Hier­auf gehe ich im fol­gen­den und abschlie­ßen­den Bei­trag zu Fuchs noch ein­mal genau ein.

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Der Ansatz von Tho­mas Fuchs ist Beitrag Nr. 968
Autor:
Martin Pöttner am 30. August 2009 um 11:18
Category:
Alltag,Biologie,Gehirn,Körper,Ökologie,Phänomen,Psyche,Quantenphysik,Was ist der Mensch?
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