Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


26. September 2016

Sexismus in der Union?

Unsere Gesellschaft ist eine Konkurrenzgesellschaft, Jenna Behrends gelang es, ein Mandat in der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte zu erlangen. Die Vorgeschichte hat sie inzwischen veröffentlicht, der Diskurs kann z. B. unter @Jenna_Behrends auf Twitter nachvollzogen werden, dort auch Hinweise auf die Schlammschlacht, die jetzt erwartungsgemäß tobt – und in der es auch Gerüchte über Peter Tauber gibt. (more…)

25. September 2016

Der Mord, gerade im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

In dieser Woche sollte auf ein Phänomen aufmerksam gemacht werden, das tatsächlich in die Augen sticht: die gegenüber den 1970er Jahren dramatische Vermehrung der Sendezeiten für das Sujet Krimi, das in unseren Alltag eingreift. Hierzu als Anregung der Hinweis auf eine Sendung,  in der das ausführlich besprochen wird, sprachlich vielleicht etwas verbesserungswürdig, aber nachdenklich. Was besagen derart viele Morde?

24. September 2016

Chinesische Philosophie I (Hinführung, Konfuzianismus [Bad Rappenau])

1.        Hinführung

Ich möchte mit zwei Zitaten beginnen, die exemplarisch für den Diskursstil stehen können:

 

 1.1 Konfuzius[1]:

 Herzog Ai fragte den Meister Kung und sprach: »Eines Reiches Bestehen und Untergang, Glück und Unglück haben doch sicher ihre himmlische Bestimmung und rühren nicht nur von Menschen her.«

Meister Kung erwiderte: »Bestehen und Untergang, Glück und Unglück kommen alle nur durch eigene Schuld. Zeichen am Himmel und Vorbedeutungen auf der Erde können nichts hinzufügen.«

Der Herzog sprach: »Gut, mein Meister, habt Ihr geredet, aber wie soll das zugehen?«

Meister Kung sprach: »Vor alters zur Zeit des Herrschers Sin aus dem Hause Yin, da brütete ein Sperling einen großen Vogel aus auf der Ecke der Stadtmauer. Die Zeichendeuter sprachen: ‚Wenn Kleines Großes erzeugt, so wird das Reich sicher blühen und des Herrschers Name berühmt werden.‘ Darauf verließ sich der Herrscher Sin auf die Kraft dieses Sperlings. Er kümmerte sich nicht um die Regierung des Landes und war hart und grausam über alle Maßen, und vor den Leuten seines Hofes gab es keine Rettung. Da brachen Räuber von außen ein, und die Herrschaft des Hauses Yin fand dadurch ihr Ende. So hat er selbst der Zeit des Himmels entgegengewirkt und das zugedachte Glück in Unglück verwandelt.

[Chinesische Philosophie: Kungfutse: Gia Yü – Schulgespräche. Asiatische Philosophie – Indien und China, S. 26695 (vgl. Kungfutse-Gia Yü, S. 29-30)]

1.2 Laotse:

Der SINN, den man ersinnen kann,

ist nicht der ewige SINN.

Der Name, den man nennen kann,

ist nicht der ewige Name.

Jenseits des Nennbaren liegt der Anfang der Welt.

Diesseits des Nennbaren liegt die Geburt der Geschöpfe.

Darum führt das Streben nach dem Ewig-Jenseitigen

zum Schauen der Kräfte,

das Streben nach dem Ewig-Diesseitigen

zum Schauen der Räumlichkeit.

Beides hat Einen Ursprung und nur verschiedenen Namen.

Diese Einheit ist das Große Geheimnis.

Und des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis:

Das ist die Pforte der Offenbarwerdung aller Kräfte.

[Chinesische Philosophie: Laotse: Tao Te King – Das Buch des Alten vom Sinn und Leben. Asiatische Philosophie – Indien und China, S. 28522 (vgl. Laotse-Tao[2], S. 3)]

(more…)

14. September 2016

Die „narzisstische“ Frau Merkel? (Alltagsphilosophische Kolumne I)

Der gestrige Tag hielt ab 9.37 Uhr eine positive Überraschung bereit: Ob Politiker Seelsorger/innen sein sollten, erörterten der Psychologe Maaz und der Pfarrer Gürtler im Gespräch mit Christiane Florin im DLF. Auch m. E. ist die Frage berechtigt, denn Gefühle bilden einen Aspekt beim Entstehen von Handlungen und Kommunikationen. Das ist seit der Antike bekannt – und der seit einiger beliebte Ausdruck „gefühlt“ im Unterschied zu „faktisch“ zeigt, dass dies in den Medien oft verdrängt wird. Die Frage, die gestern erörtert wurde, hatte freilich eine bestimmte Ausrichtung, die m. E. eher problematisch ist. Das war deswegen erträglich, weil der für steile verallgemeinerte (und empirisch wenig bestätigte) Hypothesen bekannte Maaz durch den aus der Bürgerrechtsbewegung stammenden Gürtler stark relativiert wurde. Das war so stark, dass Maaz nicht dazu kam, seine Hypothese über den aktuellen „Gefühlsstau“ auszusprechen, der die s. E. gefährliche Entwicklung seit einem Jahr ausgelöst hat. Ich ergänze das deswegen – und kann mir daher die Kritik zuziehen, dass er das alles schon mal gesagt hat, aber am 13.09. nicht wiederholt hat. M. E. macht seine Diagnose über Merkel und diejenigen, die mit ihr übereinstimmen, nur Sinn, wenn dieser Hintergrund unterstellt wird. (more…)

12. September 2016

Richter- und Samuelbücher (Bibelkunde Heidelberg)

Im Richterbuch und den Samuelbüchern wird zu schildern versucht, wie aus einer eher segmentären[1] Stammesgesellschaft es allmählich zu einer stratifizierten Gesellschaft kommt, mit einem König an der Spitze. Dazu werden andere Kräfte genannt, die gesellschaftlich wirksam sind, nämlich die Priester, aber auch die Propheten. Vor allem in 2Sam 12 kommt es zu einem Gegensatz der Propheten zum Königtum: die Batsebastory. In diesem Punkt unterscheidet sich die israelitische Gesellschaft von allen altorientalischen Gesellschaften, man könnte sagen, in der Gruppe der Propheten beginnt sich die Ausdifferenzierung der Religion als eigenständiges gesellschaftliches System auszubilden. In der Figur des Samuel scheinen die Propheten zunächst sich dem Königtum anzunähern, sodass ein ambivalentes Bild entsteht.

Die Königsbücher werden dann vom Untergang des Königtums handeln.

 

Richter

 

Liste der großen und kleinen Richter Israels

Richtergestalten

Das Richterbuch schildert die Situation der zwölf Stämme Israels nach der Landnahme und vor dem Beginn einer Königsherrschaft in Israel. (more…)

10. September 2016

Das „Aufstehen“ des „eingeschlafenen“ Lazarus (Joh 11 [EfG Griesheim])

Joh 11 1Es war jemand krank, Lazarus aus Betanien, aus dem Dorf von Maria und Martha, ihrer Schwester. 2Maria war die, die den Christus mit Salböl gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank. 3Die Schwestern schickten also zu ihm und ließen ihm sagen: Rabbi, sieh: Der, den du liebst, ist krank.« 4Als Jesus das hörte, sagte er: »Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern ist dazu da, dass der Sohn Gottes durch sie in göttlichem Glanz erstrahle.« 5Jesus liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus. 6Als er nun gehört hatte, dass Lazarus krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war. 7Anschließend sagte er seinen Schüler/innen: »Lasst uns wieder nach Judäa gehen!« 8Die Schüler/innen sagten ihm: »Rabbi, gerade haben die Menschen aus Judäa versucht, dich zu steinigen, und du gehst wieder dorthin?« 9Jesus antwortete: »Hat nicht der Tag zwölf Stunden? Alle, die am Tag herumlaufen, stolpern nicht, denn sie sehen das Licht dieser Welt; 10alle aber, die bei Nacht herumlaufen, stolpern, weil das Licht nicht in ihnen ist.« 11So redete er, und danach sagte er ihnen: »Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen, ich gehe, um ihn aufzuwecken.« 12Da sagten ihm die Schüler/innen: »Rabbi, wenn er eingeschlafen ist, wird er geheilt werden.« 13Jesus hatte aber über seinen Tod geredet, sie dagegen meinten, dass er über das gewöhnliche Einschlafen geredet hätte. 14Da sagte Jesus ihnen ganz offen: »Lazarus ist gestorben, 15und ich freue mich euretwegen, dass ich nicht dort war: Ihr sollt nämlich zum Glauben kommen. Aber lasst uns zu ihmgehen!« 16Da sagte Thomas, genannt Zwilling, zu den anderen Schüler/innen: »Lasst auch uns gehen, damit wir mit ihm sterben.« 17Jesus ging also und fand, dass Lazarus schon vier Tage im Grab war. 18Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa drei Kilometerentfernt. 19Viele von den Menschen aus ihrem Volk waren zu Martha und Maria gekommen, um sie wegen des Bruders zu trösten. 20Als Martha nun hörte, Jesus würde kommen, ging sie ihm entgegen. Maria aber blieb im Haus sitzen. 21Martha nun sagte:»Rabbi, wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben. 22Aber auch jetzt weiß ich: Was auch immer du von Gott erbittest, wird Gott dir geben.« 23Jesus sagte ihr: »Dein Bruder wird aufstehen!« 24Marta sagte ihm: »Ich weiß, dass er aufstehen wird beim Aufstehen am letzten Tag.« 25Jesus sagte ihr: »Ich bin das Aufstehen und das Leben: Alle, die an mich glauben, werden leben, auch wenn sie sterben; 26und alle, die leben und an mich *glauben, werden bis in *Ewigkeit nicht sterben. Jesus sagte ihr: »Dein Bruder wird aufstehen!« 24Martha sagte ihm: »Ich weiß, dass er aufstehen wird beim Aufstehen am letzten Tag.«25Jesus sagte ihr: »Ich bin da Aufstehen und das Leben: Alle, die an mich glauben, werden leben, auch wenn sie sterben; 26und alle, die leben und an mich glauben, werden bis in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das?« 27Sagt sie ihm: »Ja, Rabbi, ich bin zum Glauben gekommen, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt.« 28Nachdem sie dies gesagt hatte, ging sie weg und rief ihre Schwester Maria und sagte ihr heimlich: »Der Lehrer ist da und ruft dich.« 29Als jene dies hörte, stand sie schnell auf und ging zu ihm. 30Jesus war noch nicht ins Dorf gekommen, sondern war noch an dem Ort, wo Martha ihm begegnet war. 31Als nun die anderen jüdischen Menschen, die mit ihr im Haus gewesen waren und mit ihr getrauert hatten, sahen, wie Maria schnell aufstand und hinausging, folgten sie ihr, weil sie meinten, sie ginge zum Grab, um dort zu weinen. 32Als Maria dahin kam, wo Jesus war und ihn sah, warf sie sich zu seinen Füßen nieder und sagte ihm: »Rabbi, wenn du hier gewesen wärst, wäre mir der Bruder nicht gestorben.« 33Als Jesus sie weinen sah und auch die anderen Jüdinnen und Juden, die mit ihr gekommen waren, weinten –, war er innerlich aufgewühlt und erschüttert 34und sagte: »Wo habt ihr ihn hingelegt?« Sie sagten ihm: »Rabbi, komm und sieh!« 35Jesus weinte. 36Da sagten die anderen jüdischen Menschen: »Sieh, wie er ihn geliebt hat.« 37Aber einige von ihnen sagten: »Hätte nicht jener, der die Augen des Blinden geöffnet hat, auch etwas machen können, damit dieser nicht sterben musste?« 38Jesus nun, wiederum innerlich ergrimmt, kam zum Grab. Es war eine Höhle und ein Stein lag vor ihr. 39Jesus sagte: »Hebt den Stein fort!« Martha, die Schwester des Verstorbenen, sagte ihm: »Rabbi, er stinkt schon, er ist ja vier Tage alt.« 40Jesus sagte ihr: »Habe ich dir nicht

gesagt: Wenn du glaubst, wirst du den Glanz Gottes sehen?« 41Sie hoben nun den Stein fort. Jesus aber hob die Augen nach oben und sagte: »Du, Gott, ich danke dir, dass du mich gehört hast. 42Ich wusste, dass du mich immer hörst, aber wegen der Leute, die hier stehen, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.« 43Als er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: »Lazarus, komm heraus!« 44Es kam der Gestorbene heraus, umwickelt an den Füßen und den Händen mit Binden und sein Gesicht war von einem Tuch bedeckt. Jesus sagte ihnen: »Befreit ihn und lasst ihn gehen!« (teilweise an die Bibel in gerechter Sprache, z. St., angelehnt)

Liebe Gemeinde,

der 16. Sonntag nach Trinitatis konfrontiert uns mit dem Aufstehen bzw. Aufgewecktwerden des toten Lazarus – es ist ein langer Text. Das Johannesevangelium ist im Neuen Testament derjenige Text, der am reflektiertesten  mit der frühchristlichen Bilderwelt umgeht – und explizit die Leser/inn/en an der Interpretation dieser Bilder beteiligt, sie sozusagen auf den Bildlichkeitscharakter christlicher Redeweisen  stößt. (more…)

7. September 2016

Die Schwierigkeit der Toleranz von konservativen Menschen

Fantasie ist angesagt!

Fantasie ist angesagt!

In der Bundestagsdebatte ließ sich die geistige Verwirrrung sowohl des CDSU-Fraktionsvorsitzenden als auch seiner Stellvertreterin Gerda Hasselfeldt wahrnehmen. Man muss daran erinnern, dass sowohl die badenwürttembergische CDU als auch die CSU deutliche Niederlagen vor dem Bundesverfassungsgericht erlitten haben, weil sie das aus der Weimarer Verfassung stammende Religionsrecht der Bundesrepublik falsch auslegten – und entsprechend verfassungswidrige Praktiken entwickelten („Kruzifix“, „Kopftuch“).

Verfassung des Deutschen Reichs

Art 137

(1) Es besteht keine Staatskirche.

(2) Die Freiheit der Vereinigung zu Religionsgesellschaften wird gewährleistet. Der Zusammenschluß von Religionsgesellschaften innerhalb des Reichsgebiets unterliegt keinen Beschränkungen.

(3) Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Sie verleiht ihre Ämter ohne Mitwirkung des Staates oder der bürgerlichen Gemeinde.

(4) Religionsgesellschaften erwerben die Rechtsfähigkeit nach den allgemeinen Vorschriften des bürgerlichen Rechtes.

(5) Die Religionsgesellschaften bleiben Körperschaften des öffentlichen Rechtes, soweit sie solche bisher waren. Anderen Religionsgesellschaften sind auf ihren Antrag gleiche Rechte zu gewähren, wenn sie durch ihre Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder die Gewähr der Dauer bieten. Schließen sich mehrere derartige öffentlich-rechtliche Religionsgesellschaften zu einem Verbande zusammen, so ist auch dieser Verband eine öffentlich-rechtliche Körperschaft.

(6) Die Religionsgesellschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, sind berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben.

(7) Den Religionsgesellschaften werden die Vereinigungen gleichgestellt, die sich die gemeinschaftliche Pflege einer Weltanschauung zur Aufgabe machen.

(8) Soweit die Durchführung dieser Bestimmungen eine weitere Regelung erfordert, liegt diese der Landesgesetzgebung ob.

Die konservative Ansicht besteht darin, dass die Bundesrepublik ein christlich geprägter Staat sei, man bemüht sich heute dann zu sagen, es gebe eine jüdisch-christliche Tradition. Dass das heute wieder an Fragen der Kopfbedeckung, des Schwimmunterrichts usf. erörtert wurde, stimmt doch skeptisch. Hier können m. E. jeweils praktikable Lösungen gefunden werden. Wenn eine Schülerin oder Studentin vollverschleiert auftritt, ist es eher wahrscheinlich, dass sie das nicht mehr tut, wenn sie von den Anderen nicht ausgegrenzt wird. So verhält es sich auch bei der Badekleidung. Die Argumente von Mansour und Özdemir sind m. E. nicht stichhaltig, auf die sich Kauder bezog. Im Zweifel entscheiden das in der Bundesrepublik Gerichte.

 

5. September 2016

Die 20, 8 % der AfD und das Problem des Feinstaubs

 

Frauke Petry

Frauke Petry

Sicher hat es die CDU in Mecklenburg-Vorpommern schwer erwischt, jedenfalls auch Folge einer hysterisch anmutenden Debatte, die sich angesichts bestehender Sicherheitsprobleme um Scheinprobleme drehte, Burka, Vollverschleierung, Erdogan, wobei dann der Doppelpass eine Rolle spielte. Und eine gute Chance für diejenigen, die seit nahezu einem Jahr schreien und posten: „Merkel muss weg!“ Die beiden Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben dabei mitgemacht – und bekommen jetzt ihre Strafe.

Das Potenzial in der Bevölkerung für rechte Orientierungen scheint inzwischen von der AfD absorbiert werden zu können, natürlich sind auch rechtsextreme Auffassungen darunter: Der Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland!“ ist nach Art. 137 WRV verfassungswidrig, weil er ins Grundgesetz übernommen worden ist (Art. 140). Das ist die deutsche Leitkultur :

Verfassung des Deutschen Reichs

Art 137

(1) Es besteht keine Staatskirche.

(2) Die Freiheit der Vereinigung zu Religionsgesellschaften wird gewährleistet. Der Zusammenschluß von Religionsgesellschaften innerhalb des Reichsgebiets unterliegt keinen Beschränkungen.

(3) Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Sie verleiht ihre Ämter ohne Mitwirkung des Staates oder der bürgerlichen Gemeinde.

(4) Religionsgesellschaften erwerben die Rechtsfähigkeit nach den allgemeinen Vorschriften des bürgerlichen Rechtes.

(5) Die Religionsgesellschaften bleiben Körperschaften des öffentlichen Rechtes, soweit sie solche bisher waren. Anderen Religionsgesellschaften sind auf ihren Antrag gleiche Rechte zu gewähren, wenn sie durch ihre Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder die Gewähr der Dauer bieten. Schließen sich mehrere derartige öffentlich-rechtliche Religionsgesellschaften zu einem Verbande zusammen, so ist auch dieser Verband eine öffentlich-rechtliche Körperschaft.

(6) Die Religionsgesellschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, sind berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben.

(7) Den Religionsgesellschaften werden die Vereinigungen gleichgestellt, die sich die gemeinschaftliche Pflege einer Weltanschauung zur Aufgabe machen.

(8) Soweit die Durchführung dieser Bestimmungen eine weitere Regelung erfordert, liegt diese der Landesgesetzgebung ob.

Die Debatte wird mithin auf einem unterirdischen, äußerst  ungebildeten Niveau geführt. Die positive Religionsfreiheit wird gewährleistet, ebenso die Freiheit areligiös zu sein. Und natürlich gibt es schon seit der Weimarer Republik Muslime in Deutschland, heute eben erheblich mehr.

Ohne Integration der Muslime wird es wohl schwierig, dem Islamismus den Boden entziehen.

Die peinliche Debatte, die in den letzten Wochen um ca. 300 vollverschleierte Frauen geführt wurde, war ein echter Tiefpunkt der Republik.

Es ging heute bei der Pressekonferenz gleich weiter, weil dort der hypothetische Fall erörtert wurde, bei über 30 % Muslimen in Ulm werde das Münster nicht repariert, weil Muslime keinen Sinn für den Erhalt von öffentlichen Bauten hätten. Der wirkliche Knaller war dann die Behauptung, VW werde vom Land Niedersachsen im Stich gelassen, die Vereinigten Staaten führten einen Wirtschaftskrieg.

  • Wahrscheinlich war das keine rechtsradikale Äußerung, nur die Botschaft, dass die AfD für Feinstaub ist.

 

 

1. September 2016

Lothar de Maizière und Franck Ribéry

Der Muslim Franck Ribéry

Es ist interessant, dass de Maizière jetzt mangelndes Nationalbewusstsein beklagt – und das nach Olympiade, Fußball-Europameisterschaft und -Weltmeisterschaft? Natürlich nur dann, wenn „unsere“ Mannschaft gut spielt, um beim Fußball zu bleiben. Das ist ganz verständlich, wer hier lebt und in einem Sportverein ist, kann sich über Erfolge der Auswahlmannschaften freuen. Aber der Ausdruck „Nationalmannschaft“ ist schwierig geworden, seit Boateng, Özil u. a. mittels Doppelpass auch Deutsche sind. Gehört der Nachbar Boateng auch zum „Wir“, das verunsichert ist? (more…)

22. August 2016

Gemeinsam essen (Gal 2,1ff [EfG Griesheim])

Die Vision des Petrus

11Als aber Petrus nach Antiochien kam, trat ich ihm von Angesicht zu Angesicht entgegen, denn er hatte sich ins Unrecht gesetzt. 12Bevor nämlich gewisse Leute von Jakobus kamen, aß er gemeinsam mit Menschen, die nicht der jüdischen Lebensform angehörten. Doch als sie eintrafen, trat er den Rückzug an und zog eine Trennlinie, weil er vor denen aus der Beschneidung Angst hatte. 13Und wie er nahmen auch die übrigen Juden und Jüdinnen an der Schauspielerei teil, sodass selbst Barnabas durch ihre Scheinheiligkeit irregeleitet wurde. 14Als ich nun sah, dass sie den aufrechten Gang nach der Wahrheit des Evangeliums nicht mehr übten, sagte ich zu Petrus im Beisein aller: Wenn du, der du doch Jude bist, nach heidnischen Regeln lebst und nicht jüdisch, wieso zwingst du dann nichtjüdische Menschen jüdisch zu werden? 15Wir sind zwar von Geburt her tatsächlich jüdisch und nicht Sünderinnen und Sünder aus heidnischen Völkern. 16Aber wir wissen, das kein Mensch gerechtfertigt wird durch Werke des Gesetzes, sondern ausschließlich  durch Vertrauen auf Jesus, den Christus. Darum sind auch wir zum Vertrauen auf den Christus Jesus gelangt, damit wir gerechtfertigt würden aufgrund des Vertrauens auf den Christus und nicht aus Werken des Gesetzes. Denn aus Werken des Gesetzes wird kein Fleisch gerechtfertigt. 17Aber wenn nun wir, die wir gerechtfertigt werden wollen durch den Christus, auch selbst als Sünderinnen und Sünder dastehen, ist dann der Christus ein Handlanger der Sünde? Nein, und abermals nein. 18Stattdessen: Wenn ich genau das wieder aufrichte, was ich niedergerissen habe, bezichtige ich mich selbst der Übertretung. 19Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Mit dem Christus bin ich mitgekreuzigt worden. 20Und ich lebe nicht mehr, sondern in mir lebt der Christus. Was ich jetzt in meiner leiblichen Existenz lebe, lebe ich im Vertrauen auf den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst ausgeliefert hat für mich.[1]

 

Liebe Gemeinde,

 

oft wird kein Spaß verstanden, wenn es ums Essen geht. Als die Grünen vor drei Jahren in allen Kantinen einen fleischlosen Tag pro Woche einführen wollten, brach ein Sturm der Entrüstung los, die Grünen sind Spaßbremsen, sie wollen das Leben der Menschen bestimmen. Es wurde nicht darüber diskutiert, warum dieser Vorschlag gemacht wurde, mein täglich Fleisch lass` ich mir nicht nehmen! Das hängt damit zusammen, dass wir etwas gewohnt sind – und unser gewohntes Leben nicht ändern möchten. Zu den witzigen Vorschlägen, die im Jahr 2016 gemacht wurden, gehört der Antrag einer Landtagfraktion, überall in Schleswig-Holstein müsse in Kitas und öffentlichen Kantinen Schweinefleisch angeboten werden, man lasse sich von Vegetariern, Veganern und Muslimen nicht terrorisieren. Philosemitisch wurden die Juden in der Begründung des Antrags als terrorisierende Minderheit nicht erwähnt. (more…)