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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


22. August 2016

Gemeinsam essen (Gal 2,1ff [EfG Griesheim])

Die Vision des Petrus

11Als aber Petrus nach Antiochien kam, trat ich ihm von Angesicht zu Angesicht entgegen, denn er hatte sich ins Unrecht gesetzt. 12Bevor nämlich gewisse Leute von Jakobus kamen, aß er gemeinsam mit Menschen, die nicht der jüdischen Lebensform angehörten. Doch als sie eintrafen, trat er den Rückzug an und zog eine Trennlinie, weil er vor denen aus der Beschneidung Angst hatte. 13Und wie er nahmen auch die übrigen Juden und Jüdinnen an der Schauspielerei teil, sodass selbst Barnabas durch ihre Scheinheiligkeit irregeleitet wurde. 14Als ich nun sah, dass sie den aufrechten Gang nach der Wahrheit des Evangeliums nicht mehr übten, sagte ich zu Petrus im Beisein aller: Wenn du, der du doch Jude bist, nach heidnischen Regeln lebst und nicht jüdisch, wieso zwingst du dann nichtjüdische Menschen jüdisch zu werden? 15Wir sind zwar von Geburt her tatsächlich jüdisch und nicht Sünderinnen und Sünder aus heidnischen Völkern. 16Aber wir wissen, das kein Mensch gerechtfertigt wird durch Werke des Gesetzes, sondern ausschließlich  durch Vertrauen auf Jesus, den Christus. Darum sind auch wir zum Vertrauen auf den Christus Jesus gelangt, damit wir gerechtfertigt würden aufgrund des Vertrauens auf den Christus und nicht aus Werken des Gesetzes. Denn aus Werken des Gesetzes wird kein Fleisch gerechtfertigt. 17Aber wenn nun wir, die wir gerechtfertigt werden wollen durch den Christus, auch selbst als Sünderinnen und Sünder dastehen, ist dann der Christus ein Handlanger der Sünde? Nein, und abermals nein. 18Stattdessen: Wenn ich genau das wieder aufrichte, was ich niedergerissen habe, bezichtige ich mich selbst der Übertretung. 19Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Mit dem Christus bin ich mitgekreuzigt worden. 20Und ich lebe nicht mehr, sondern in mir lebt der Christus. Was ich jetzt in meiner leiblichen Existenz lebe, lebe ich im Vertrauen auf den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst ausgeliefert hat für mich.[1]

 

Liebe Gemeinde,

 

oft wird kein Spaß verstanden, wenn es ums Essen geht. Als die Grünen vor drei Jahren in allen Kantinen einen fleischlosen Tag pro Woche einführen wollten, brach ein Sturm der Entrüstung los, die Grünen sind Spaßbremsen, sie wollen das Leben der Menschen bestimmen. Es wurde nicht darüber diskutiert, warum dieser Vorschlag gemacht wurde, mein täglich Fleisch lass` ich mir nicht nehmen! Das hängt damit zusammen, dass wir etwas gewohnt sind – und unser gewohntes Leben nicht ändern möchten. Zu den witzigen Vorschlägen, die im Jahr 2016 gemacht wurden, gehört der Antrag einer Landtagfraktion, überall in Schleswig-Holstein müsse in Kitas und öffentlichen Kantinen Schweinefleisch angeboten werden, man lasse sich von Vegetariern, Veganern und Muslimen nicht terrorisieren. Philosemitisch wurden die Juden in der Begründung des Antrags als terrorisierende Minderheit nicht erwähnt. (more…)

13. August 2016

Burka

Burkamode

Das Burka-Verbot geht um. Sogar ein liberaler Journalist wie Thomas Avenarius (SZ) fordert es: Die Burka sei gar kein religiöses Symbol – sondern ein politisches, eben insbesondere des Talibanislamismus. A. ahnt, dass das keine verfassungsfeste Äußerung  ist.

M. E. gehört der Wahabismus zum Islam – und die Taliban sind eine radikale Form des Wahabismus. Gemessen am Koran ist der Ganzkörperschleier extrem, aber der Text ist uneindeutig, vom Kopftuch steht dort aber nichts, sondern dieses ist eine türkische Entwicklung, nachdem der Schleier unter Atatürk verboten worden ist.

A. formuliert den wichtigsten Einwand gegen sich selbst, die katholische Kirche unterdrücke ebenfalls die Frauen, zurzeit erforscht eine Kommission, ob in der Urkirche Frauen Diakoninnen sein konnten. Nicht nur das, sie lehrten – und daher gibt es in evangelischen Kirchen inzwischen viele Pfarrerinnen.

D. h., es scheint eine Frage der Entwicklung zu sein.

 

29. Juli 2016

Gemeinwohlorientiertes Wirtschaften: Act 2,42-47 (EfG Griesheim)

 

42Sie blieben fest bei der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, beim Brotbrechen und bei den Gebeten. 43Jede Person überkam ehrfürchtiges Staunen; viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. 44Alle, die glaubten, waren zusammen und teilten alles, was sie hatten. 45Sie verkauften ihren Besitz und ihr Vermögen und verteilten den Erlös an alle, je nachdem jemand Not litt. 46Tag für Tag hielten sie sich einmütig und beständig im Heiligtum auf, brachen das Brot in den einzelnen Häusern, nahmen Speise zu sich voll Jubel und mit lauterem Herzen, 47lobten Gott und waren gut angesehen beim ganzen Volk. Der Herr aber ließ täglich welche zu ihrer Rettung dazukommen.

Liebe Gemeinde,

so war es in der Jerusalemer Urgemeinde nach der Erzählung des Lukas (Lk), es gab anfangs einen großen Mitgliederzuwachs, täglich nahm die Gemeinde zu. Man/frau setzte die Praxis Jesu und seiner Schüler/innen fort, was der Hinweis auf die Lehre der Apostel und das Brotbrechen besagen soll:

42Sie blieben fest bei der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, beim Brotbrechen und bei den Gebeten.

Das Brotbrechen knüpft an die Gemeinschaftsmahle Jesu mit vielen Menschen an – und diese Praxis setzt die Urgemeinde in Jerusalem fort. Da sie offen ist, kommen viele, die umkehren, glauben und gerettet werden möchten. Jesus aß mit Zöllnern,  Sündern und Ungerechten – jetzt, nachdem er in die göttliche Welt zurückgekehrt ist, sind die Schüler/innen dran – und sie machen vieles richtig, sodass

 

der Herr … täglich welche zu ihrer Rettung dazukommen (ließ).

 

Das Gemeinschaftsmahl des Brotbrechens findet in den Häusern mancher Glaubenden statt, zum Gottesdienst gehen sie in den Jerusalemer Tempel, denn die Hoffnungen Israels werden ja im Kommen Jesu erfüllt, wie schon Maria in ihrem Lobgesang (Lk 1,46ff) begeistert gesungen hatte. Dabei geht es um das Ende der Unterdrückung und um das Ende der Armut.

Gott schenkt Erbarmen von Generation zu Generation denjenigen, die Ehrfurcht vor ihm haben. 51Er hat Gewaltiges bewirkt. Mit seinem Arm hat er die auseinander getrieben, die ihr Herz darauf gerichtet haben, sich über andere zu erheben. 52Er hat Mächtige von den Thronen gestürzt und Erniedrigte erhöht, 53Hungernde hat er mit Gutem gefüllt und Reiche leer weggeschickt. 54Er hat sich Israels, seines Sklavenkindes, angenommen und sich an seine Barmherzigkeit erinnert, 55wie er es unseren Vorfahren zugesagt hatte, Sara und Abraham und ihren Nachkommen für alle Zeit.

Beides ist stets Thema des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte (Act). Lk, der beide Werke geschrieben hat, sieht das als etwas, das sich entwickelt – und zu Beginn der Geschichte der Kirche herrscht Hochstimmung:

(Sie) brachen das Brot in den einzelnen Häusern, nahmen Speise zu sich voll Jubel und mit lauterem Herzen …

Die Gemeinschaftsmahle sind also Jubelfeiern, da die Hoffnungen Israels jetzt in Erfüllung gehen bzw. sich jetzt erfüllen, weil Gott jetzt seine Versprechen gegenüber Sara und Abraham hält.

Dem entspricht die Lebensform, welche die Jerusalemer Urgemeinde gewählt hat:

 

44Alle, die glaubten, waren zusammen und teilten alles, was sie hatten. 45Sie verkauften ihren Besitz und ihr Vermögen und verteilten den Erlös an alle, je nachdem jemand Not litt.

 

Deshalb bezeichnen sie sich wohl selbst als die „Armen“, wie wir aus den Paulusbriefen wissen. Sie entwickeln eine diakonische Tätigkeit, indem sie ihre Güter, ihren Besitz verkaufen – und den Erlös an diejenigen geben, die Not leiden. Wir haben eben in der Schriftlesung gehört, dass Jesus wohlhabende Schülerinnen hatte, die schon so handelten, wie es in der Urgemeinde dann grundsätzlich vollzogen wurde.

Man hat das urchristlichen Kommunismus genannt, das war am Ende des 19. Jahrhunderts, damals kannte man noch nicht die Schrecken des real existierenden Sozialismus, der nach der marxistisch-leninistischen Auffassung dem Kommunismus vorausgehen sollte. Was jedenfalls in Act und z. B. in der „Feldrede“ (Lk 6,20ff)  gemeint ist, besteht in der Überzeugung, dass bei einem weltweiten Bewusstsein wohl am ehesten durch Formen einer gemeinwohlorientierten Wirtschaft das Problem der Armut angegangen werden kann. Daran hat sich bis 2016 nichts geändert. Im letzten Jahr hat das auch die Bundeskanzlerin im Bundestag und vor der UNO-Vollversammlung gesagt. Neben der gewaltsamen Unterdrückung ist es die wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, die Fluchtbewegungen auslöst.

Die Urgemeinde ist sich des weltweiten Horizonts bewusst. Also lebt sie so, dass Armut gemindert wird. Denn diese entsteht nur, wenn einige sich dauerhaft mehr vom wirtschaftlichen Ertrag sichern als andere, ob das damals in Rom und heute in New York, im Silicon Valley oder in Frankfurt und Darmstadt der Fall ist. Die Europäische Union lässt zurzeit wieder viele Menschen im Mittelmeer ertrinken, u. a. CSU und AfD sei Dank, vor allem aber deswegen, weil  bei vielen das lautere Herz   nicht vorhanden zu sein scheint, von dem Lk im Blick auf die Urgemeinde spricht.

Dieses lautere, offene und an der Wahrheit orientierte Herz ist auch jetzt, in unserer Situation sehr nötig. Seit es in Würzburg und Ansbach zwei Anschläge gegeben hat, die von Flüchtlingen ausgeübt worden sind, sitzt die Willkommenskultur auf der Anklagebank, eine der Hauptangeklagten ist die Bundeskanzlerin, auch die EFG Griesheim ist angeklagt, weil sie sich für Flüchtlinge engagiert. Jedenfalls sind viele Menschen verunsichert.

Es ist bisher ungeklärt, wie das alles zusammenhängt, möglicherweise sind es Verzweiflungstaten schwer traumatisierter Menschen, die der „Islamische Staat“ jetzt für sich reklamiert, vgl. hier. Vielleicht aber haben sie es tatsächlich bewusst im Sinne des IS getan. Jedenfalls hätten beide Flüchtlinge besser betreut werden müssen.

 

Hinter den beiden wohl islamistischen Anschlägen ist der rechtsradikale Anschlag im Münchner Konsumheiligtum Olympiazentrum vielleicht gezielt aus der öffentlichen Erörterung herausgenommen worden. Kann man doch keine Scheindebatten führen,  etwa diejenige der Abschiebung und der weiteren Begrenzung der Zuwanderung. Und wie viele Menschen wissen über das Darknet Bescheid? Dass sich der Täter dort eine breivikmässige Waffe besorgte? Auch hier hat es an der Betreuung eines hilfosen Menschen gemangelt, dessen Hilflosigkeit dann in Wut und Selbsthass umgeschlagen ist. Aber in Bayern ist halt das Meiste perfekt, nur Fingerhakeln, Mobbing und Maulheldentum gehören zum guten Ton. Doch dieser Anschlag hat die meisten Todesopfer gefordert, über drei Viertel sind Muslime.  Und darüber schweigen die Maulhelden ganz intensiv zumindest habend sie es getan.

Die Jerusalemer Urgemeinde wäre mit einem solchen Vorgehen nicht zufrieden und auch nicht einverstanden gewesen. Sie integrierte schließlich sogar einen ihrer Hauptverfolger, den übereifrigen, wütenden und zornigen Pharisäer Saul, der uns dann als Paulus bekannt ist. D. h., Lk zufolge ist eine friedliche Haltung besser als eine gewalttätige. Denn Menschen können umkehren.

Die Zurückhaltung gegenüber der friedlichen und gemeinwohlorientierten Haltung der Urgemeinde ist verständlich, weil wir gewohnt sind, uns gegen andere durchzusetzen, weil wir unseren Anteil nur so zu sichern glauben können. Die Politologin Ulrike Guérot hat vor einigen Wochen darauf verwiesen,  Europa müsse sich von seinen freien und gleichen Bürger/innen her rekonstruieren – und um die schweren Fehler, die im Blick auf Griechenland, Spanien u. a. gemacht worden seien, nicht zu wiederholen, müsse der wirtschaftliche Ansatz wieder gemeinwohlorientiert sein, wie es zu Beginn der sozialen Marktwirtschaft gemeint gewesen sei – und in diesem Zusammenhang hat sie auch auf die „Bergpredigt“ (Mt 5-7) verwiesen.

Lk zufolge hat sich die Jerusalemer Urgemeinde gemeinwohlorientiert organisiert. M. E. war das keine versponnene Idee, sondern eher ein durch Propheten wie Amos und Jesaja, vom Jesus der Feldrede angeregter Geistesblitz, der auch 2016 noch vielleicht nicht zum alten Eisen auf den Schrotthaufen der Ideen gehört. Es ist die wirtschaftliche Anwendung der „Goldenen Regel“ , derzufolge man/frau gegenüber anderen das tun soll, wovon man/frau wünscht, dass diese gegenüber einem dasselbe tun (Mt 7,12). Obgleich wir alle oder zumindest die meisten von uns in einer Konkurrenzgesellschaft erzogen worden sind, sollten wir doch die Ohren davor nicht achtlos verschließen.

Dies zu bedenken und im Herzen zu bewegen,  wie es Maria mit den Worten der Engel und Hirten nach Jesu Geburt (Lk 2,19) tat, dazu helfe uns Gott!

 

Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

23. Juli 2016

§ 12 Schluss

1. Mk 4,26ff

2. Thesen

3. Diskussion

  1. Die Parabel von der selbstwachsenden Saat (Mk 4,26-29)

Ich bin der Überzeugung, dass man das Extravaganzkonzept auf viele „Parabeln“ anwenden kann. Harnisch[1]beschränkte es auf große Erzählungen wie die Arbeiter im Weinberg, den barmherzigen Samaritaner, den Schalksknecht u. a. m.

Wir sehen uns heute exemplarisch die Parabel von der „selbst wachsenden Saat“ in Mk 4,26-29 an. Mk erläutert in Kap. 4 für das Markusevangelium, worum es bei der Gottesherrschaft bzw. dem Reich Gottes geht – und welche Rezeptionsprobleme es gibt, schließlich können die Schüler nach diesen ganzen parabolischen Belehrungen den Sturm nicht stillen – und Jesus muss es tun. (more…)

16. Juli 2016

§ 11 Die Bergpredigt (Mt 5-7)

Inhalt

  1. Hinführung.
  2. Typen der Bergpredigtauslegung.
  3. Die Bergpredigt als Weisheitslehre in Redenform..
  4. Die sittlichen Radikalismen der Bergpredigt
  5. Das religiöse Zentrum der Bergpredigt
  6. Der dualistisch gebrochene Lohngedanke.
  7. Rückfragen und Erwiderungen

 

 

1.    Hinführung

Die „Bergpredigt“ in Mt 5-7 gehört sicher zu den eindrucksvollsten Texten. Sie besitzt in Lk 6 eine Parallele, die sogenannte „Feldrede“ – weil Jesus hier nicht mit seinen Schülern auf „dem“ Berg steht und zur Volksmenge spricht, sondern auf ebener Erde. (more…)

10. Juli 2016

§ 10 Erfolgsgeschichten

 

  1. Hinführung
  2.  Das lukanische Doppelwerk
  3. Die Editoren der Präkanoinischen Edition
  4. Das Abendmahl in erfolgsgeschichtlicher Perspektive
  5. Rückfragen

1. Hinführung

Für das Sprechen von „Erfolg“ ist ausschlaggebend, dass in einem Prozess ein positives „Ziel“ erreicht wird, das den Erwartungen von uns oder an uns entspricht. Und wenn man dieses „Ziel“ einigermaßen erreicht hat, kann man immer noch im Sinne Oliver Kahns sagen: „Wenn ich oben bin, ist nicht alles, was ich gemacht habe, richtig.“ (more…)

6. Juli 2016

Veranstaltungen in Darmstadt (TUD)

 

2.   Bergpredigt

Wir erinnerten uns, dass die Fragen der Gerechtigkeit im Verhältnis der Glaubenden zu ihren Gefühlen wie „Zorn“ usf. bestimmt werden.

Weiter versicherten wir uns erneut, dass auch die „Bergpredigt“ ein Fall der Auslegung der „Gesetze der Väter“ ist und dadurch auch das Verhältnis zum Römischen Staat bestimmt ist.

Den Hauptteil der Sitzung versuchten wir zu klären, ob und ggf. warum junge Leute von heute offen oder nicht offen für die Bergpredigt sind – und hielten zunächst fest, dass der/diejenige, die/der sein/ihr Leben streng an den wirtschaftlichen Erfordernissen und der vermuteten Nützlichkeit für sich selbst orientiert, sich weniger offen für die Bergpredigt zeigen könnte. Das müssen wir beim nächsten Mal noch genauer besprechen.

Veranstaltungen in Darmstadt (TUD)

1.   Bibelkunde Paulus

Hauptsächlich wurden die echten Paulusbriefe erläutert, wobei der Gal-, der Römer- und der 1. Korintherbrief im Vordergrund der Aufmerksamkeit. Diese Texte können aus der Perspektive der Deutero- (Epheser, Kolosser) oder der Trito-Paulinen (1./2. Timotheus, Titus) überarbeitet sein.

Biografisch nahmen wir Gal 1 wahr, mit den Erwähnungen von Verfolgung der Urgemeinde, Vision des Aufgestandenen Gekreuzigten und der Berufung zum Heidenmissionar. Aus Röm 15 nahmen wir die Beschreibung der paulinischen Wege wahr, über Kleinasien, den Balkan, Griechenland, Rom bis hin nach Spanien. (more…)

2. Juli 2016

§ 9 Einführung in die Hermeneutik des Neuen Testaments

  1. Hinführung
  2. Das Evangelium der verzweifelten Lebenssituationen: Matthäusevangelium (Mtev)
  3. Dualistische Rekonstruktion und Dekonstruktion des Opferbildes: Der Hebräerbrief
  4. Die Sieger und Verlierer – und diejenigen, die immer schon verloren haben: Die Apokalypse (Offenbarung) des Johannes
  5. Das Abendmahl aus dualistischer Perspektive: Matthäusevangelium
  6. Rückfragen

Dabei liegt m. E. auch den lehrhaften Konzeptionen eine elementare erzählerische, narrative Struktur zugrunde. Aristoteles hat in seiner Poetik nüchtern festgestellt, Erzählungen besäßen einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Für dualistische Erzählweisen gilt dann, dass in derartigen Erzählungen am Anfang, in der Mitte und am Ende immer ein kontradiktorischer Gegensatz zwischen einer positiven Größe und einer negativen Größe vorliegt: Das Eine ist das ausschließende Gegenteil des Anderen –  und umgekehrt. Wenn man eine derartige Position ausdrücken will, sie kommunikativ präsent m möchte, muss man über  die gewöhnliche Sprache hinausgehen. Logische Korrektheit ist dann völlig unzureichend. Dualistische Perspektiven lieben das Paradox, den tatsächlich ausgedrückten kontradiktorischen Widerspruch. Das ist rhetorisch erlaubt und üblich. Entsprechend ist die Bilderwelt von einer faszinierenden bizarren Widersprüchlichkeit: die Welt ist aus den Fugen geraten: (more…)

29. Juni 2016

Veranstaltungen in Darmstadt (TUD)

 

2.   Bergpredigt

Wir versuchten, den Zusammenhang der „Selig(Glücklich)preisungen mit dem gesamten Text der Bergpredigt zu verstehen. Dabei fiel uns 7,12 ins Auge, wo die Ausführungen seit 5,21 zusammengefasst werden, in der „Goldenen Regel“. Natürlich ist das Friedenstiften mit 5,37-48 zusammen. Die Gerechtigkeitsthematik wird sei 5,20 immer angesprochen, auch in 6,33. Die Armutsthematik wird insbesondere in 6,19ff explizit. Die Sanftmut gehört zu 5,37ff. Das Erbarmen ist u. a. in 6,1ff präsent. Das Trauern bezeichnet jedenfalls auch eine sensible Haltung angesichts der Weltverhältnisse, die noch nicht durch das Reich der Himmel ganz bestimmt sind, wozu auch die Verfolgungen gehören. Das „reine Herzen“ ist sicherlich insbesondere in 6,1ff gemeint, wo abgelehnt wird, vor den Anderen zu glänzen (vgl. auch 5,16), aber auch die Passage über den Ehebruch und das Schwören können dem zugeordnet werden. Insgesamt sind die Selig(Glücklich)preistungen also als Prolog der Bergpredigt zu lesen. Wir wandten uns dann nochmals der Captatio benevolentiae in 5,13-16 zu, in der das Publikum gelobt wird – und in den Stand versetzt wird, das alles zu tun (Salz der Erde/Licht der Welt). Ebenso wird darauf hingewiesen, dass die „schönen“ bzw. guten Werke dem Glanz Gottes dienen sollen, nicht dem eigenen Glänzen. (more…)